
19.11.2011 | Ankunft der ersten Gemälde

Ankunft der ersten Kopien aus Sammlung Krebs
Die ersten zehn in Sankt Petersburg reproduzierten Bilder der Otto-Krebs-Gemäldesammlung sind fertig gestellt und werden im Landgut Holzdorf vorgestellt.Meisterkopistin Frau Prof. Tatjana Pozelujeva und drei Studenten übergaben die Bilder. Und dann wurden sie in das Gobelin-Zimmer hineingetragen: Bilder von Paul Cezanne, Auguste Renoir, Vincent van Gogh und anderen mehr. Manche sind hinter Glas und gerahmt, in anderen Fällen ist die Leinwand lediglich auf einem Keilrahmen gespannt.
Holzdorf. Erahnen ließ sich die Pracht, die einst das Landgut Holzdorf prägte: Auch wenn es nur Kopien jener Originale sind, die zur Sammlung Otto Krebs gehörten und heute in der Eremitage in St. Petersburg hängen beziehungsweise in den Depots schlummern.
Die Diakonie Landgut Holzdorf gGmbH feierte gestern ein Etappenziel, denn die ersten zehn kopierten Bilder aus der umfangreichsten und bedeutendsten privaten Kunstsammlungen der Zwischenkriegszeit in Deutschland gehören seit gestern wieder zum Landgut. Seit dem Sommer arbeiteten Professorin Tatjana Pozelujeva von der Kunstakademie St. Petersburg sowie vier Studierende an den Bildern: Was für Touristen gilt, galt auch für sie.
Die Originale hängen in drei Räumen der Eremitage, dürfen aber nicht fotografiert, geschweige denn ausgeliehen werden. So verbrachten die Kopisten - zuverlässige Bilder in Katalogen gibt es auch nicht - unzählige Stunden im Museum, schrieben ihre Eindrücke über Farben nieder oder versuchten gar vor Ort Töne mit Aquarellfarben festzuhalten. Und wenn dann doch Zweifel im Atelier aufkamen, musste die Eremitage ein weiteres Mal aufgesucht werden.
"Das war viel Laufarbeit", sagte die Meisterkopistin. Mit dem Einbruch des Winters entdeckte Pozelujeva die Langsamkeit, benötigt sie für ihre Arbeit doch das Tageslicht. So sollen die zehn Kopien voraussichtlich am 7. März erstmals einer breiten Öffentlichkeit vorgestellt werden. An diesem Tag wird die Ausstellung im Landgut eröffnet, die auch die Geschichte der Sammlung und des kunstsinnigen Otto Krebs' reflektieren wird. Weitere zehn Bilder sollen bis Juni folgen.
Auf deutscher Seite betreut Sabine Maier das Projekt. Die Professorin für Konservierung und Restaurierung an der Fachhochschule Erfurt war im September selbst drei Wochen lang in St. Petersburg, um die Bilder vor Ort zu begutachten. "Alle Gemälde sind in ihrer Originalsubstanz sehr gut erhalten", sagte sie. Ihr Part ist nicht nur die kunstwissenschaftliche Analyse des Bestandes, um letztendlich die Qualität der Kopien anhand von Pinselstrichen, Farbtönen Lichtund Struktureffekten zu bewerten. Sie wird sich auch Gedanken um die Rahmen machen, die durchaus opulent waren. Neben Maier und Pozelujeva widmete sich Ulrike Oberländer der Geschichte der Sammlung, die nach dem Zweiten Weltkrieg als Beutekunst nach Russland geschafft wurde und 50 Jahre als verschollen galt. Die Kunstwelt feierte Holzdorf es als Sensation, als rund 60 der insgesamt über 100 Bilder in der Ausstellung "Verschollene Meisterwerke deutscher Privatsammlungen" in der Eremitage auftauchten.
Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen sowie die Sparkassen Mittelthüringen und Saale-Orla tragen zusammen vier Fünftel der auf 50 000 Euro veranschlagten Kosten, den Rest steuert die Diakonie bei, sagte Klaus Scholtissek, Vorsitzender der Diakonie-Geschäftsführung. "Wir sind unserem Ziel, die kunsthistorische Bedeutung des Anwesens lebendig zu halten, ein großes Stück näher gekommen", freute sich Landgut-Geschäftsführer Norbert Hetterle. Damit wird auch eine Klausel jenes Vertrages erfüllt, der bei der Übertragung der Immobilie zwischen Stadt und Diakonie abgeschlossen worden war.
Quelle: Thorsten Büker / 18.11.11 / TLZ / Foto: Candy Welz




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