Diakoniestiftung Weimar Bad Lobenstein

Gesellschaft gestalten – Hand in Hand

Gesellschaft gestalten – Hand in Hand

Gesellschaft gestalten – Hand in Hand

„Jedes Wort wirkt“, so der Titel eines von vier Fachforen, die am Nachmittag des neunten Sozialkongresses der Diakoniestiftung stattgefunden haben. Zu diesem Zeitpunkt wirkten die Worte der Redner und Diskussionsteilnehmer vom Vormittag bei allen Teilnehmenden weiter.

Nach einer Andacht, die Superintendent von Rudolstadt-Saalfeld, Michael Wegner, geleitet hat, und herzlichen Worten zur Begrüßung von Dr. Klaus Scholtissek, dem Vorsitzenden der Geschäftsführung der Diakoniestiftung, gab es einen angeregten Austausch zu aktuellen Themen besonders der Eingliederungshilfe. Einen Austausch, wie es ihn sonst in Mitteldeutschland nur sehr selten gibt. Offen und tiefgründig wurde mit Vertretern der Politik von der Bundes- über die Landes- bis zur Kreis- und Gemeindeebene, der Wirtschaft vom IHK-Präsident über Mittelständler, mit Vertretern der Banken, des Handwerks, verschiedenen Trägern und Einrichtungen, sowie betroffenen Bewohnern, Klienten und Eltern diskutiert. Einleitend sprach der Aufsichtsratsvorsitzende der Diakoniestiftung, Superintendent Henrich Herbst, davon dass Menschen sich grundlegend nach Beziehung und Kooperation sehnen. Die Sichtweise, die den Menschen primär als eigensinnigen Interessensvertreter und vom Konkurrenzgedanken her definiere, werde den Menschen nicht gerecht und führe ihn regelmäßig in die Irre.

Titel der Veranstaltung am 29. Mai in Bad Blankenburg war „Gesellschaft gestalten – Hand in Hand!“. Bereits im Grußwort von Heike Werner, Thüringens Ministerin für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Frauen und Familie, war zu hören, wie wichtig Mitsprache und Mitbestimmung für alle Menschen sind. „Wir müssen dort bei den Menschen, wo Gesetze helfen sollen, fragen, was wird gebraucht? Was wollt ihr?“ Erst dann darf ein Gesetz entstehen, sagte sie.
Ein exemplarischer Schwerpunkt der Veranstaltung war das neue Bundesteilhabegesetz, dass die Selbstbestimmung und Wahlfreiheit für Menschen mit Handicaps erhöhen soll. . Es gilt, die Teilhabe von Menschen mit Behinderungen zu fördern, ihre Potentiale anzuerkennen und jegliche Diskriminierung zu unterbinden.
Im Hauptreferat des Tages widmete sich Uwe Schummer, Mitglied des Bundestages und Vorsitzender der CDU/CSU-Arbeitnehmergruppe im Deutschen Bundestag, der Entstehung, den Zielen und Inhalten dieses Gesetzes –Beim Wohnen und bei der Arbeit, auch in der Freizeit und der Pflege öffnen sich neue Türen.

Diese Neuerungen öffnet Menschen mit handicaps viele neue Möglichkeiten, bereitet aber den Ämtern, Trägern und Einrichtungen so manche Herausforderung. Schummer erläuterte sachlich, aber voller Herzblut, wie das Gesetz entstanden ist, wie Betroffene, Angehörige und Lobbyisten für einzelne Bausteine gekämpft haben und welche Hürden zu überwinden waren.
In der anschließenden Podiumsdiskussion wurde deutlich, dass sich die Politik auf Landesebene (Ministerin Heike Werner) und auf Bundesebene (Uwe Schummer) sehr intensiv mit der Vorbereitung und den Vorabstimmungen (u.a. mit den Verbänden der Wohlfahrtspflege) zu dem neuen Gesetz beschäftigt haben. Oberkirchenrat Christoph Stolte, der seit 2017 Vorstandsvorsitzender der Diakonie Mitteldeutschland ist, kritisierte, dass die Ausführungsverordnung des Freistaates zum Bundesteilhabegesetz und damit ein neuer Landesrahmenvertrag immer noch immer auf sich warten lassen. Katrin Nielsen, Fachbereichsleiterin im Saale-Orla-Kreis, dem Sitz der Diakoniestiftung, äußerte sich insgesamt positiv, so sehr auch sie das Fehlen verbindlicher Vorgaben durch die Landesregierung vermisst: „Wir Thüringer sind gut aufgestellt, wir arbeiten ja schon mit dem ITP (= Integrierter Teilhabeplan). Die Bedarfsermittlungsinstrumente sind da und das erleichtert die Arbeit. Da hilft auch die Diakoniestiftung, denn sie nimmt eine Vorreiterrolle ein.“ Allerdings zeige sich noch wenig Interesse. Im Bereich Budget für Arbeit sei im ersten halben Jahr kein einziger Antrag in Saale-Orla-Kreis eingegangen.
Dieter Bauhaus, Präsident der Industrie- und Handelskammer (IHK) Erfurt und Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Mittelthüringen, bat nachdrücklich um ein einfaches Verfahren und eine einfache Sprache. „Wir müssen einen Mechanismus entwickeln, um das Gesetz anpacken zu können, damit dann auch für die Leute etwas Gutes dabei heraus kommt - ohne dem unternehmerischen Gedanken zu schaden“, so Bauhaus. Einer, der aus der Praxis kommt, ist Jörg Pfeiffer. Der Unternehmer betreibt seit 1992 eine Zimmerei in Burglemnitz, hat 45 Mitarbeitende und nun den zweiten Arbeitsplatz für einen Menschen mit Behinderung geschaffen. „Die Unternehmen sollten sich ihrer gesellschaftlichen Pflicht bewusst werden und versuchen, Personen mit Handicaps bei sich einzugliedern. Es ist nicht leicht, passende Aufgaben zu finden, denn einfache Arbeiten will niemand machen. Erst wenn der Betrieb läuft, ist auch mal Luft, diese Themen anzugehen“, sagt er.
Uwe Schummer unterstreicht dies mit dem Hinweis, dass in der Wirtschaft nichts mit Zwang zu erreichen ist, die Unternehmer müssen wollen. Das passe auch zur Eingliederung von Flüchtlingen, zu Schulpraktika und zu Projekten für Schüler mit Behinderung in Betrieben.
Die Podiumsdiskussion zeigte schnell, dass alle Ziele nur Hand in Hand und mit der richtigen Haltung umsetzbar sind. Dies zeigten dann auch die Fragen der Kongressteilnehmer. Björn Johansson, Referent Jugendhilfe der Diakonie Mitteldeutschland, fragte, wo denn geeignete Instrumente für benachteiligte Kinder seien, wer sich dafür einsetze. Emmanuel Bannach, Beschäftigter der Werkstätten Christopherushof, wollte vom IHK-Chef wissen, warum seine HELP-Ausbildung zum Gruppenhelfer nicht von der IHK anerkannt wird. Antworten konnte Herr Bauhaus spontan nicht, gab dem jungen Man aber seine Visitenkarte.
Birgit Hopfe vom Verein Hilfe für das autistische Kind dankte für die Diskussion, kritisierte aber die Haltung der Gesellschaft. Es müsse noch besser für Menschen mit Behinderungen und speziell für Autisten gesorgt werden. Eltern von betroffenen Kindern seien zu häufig allein gelassen. Ssie bat alle Diskussionsteilnehmer noch mehr zu tun und mit mehr Empathie zu entscheiden.
„Ich hatte nicht gedacht, dass die Politiker sich so tief in diese Sache hineingedacht haben“, sagte eine Wohnstättenleiterin, beeindruckt von den ausführlichen Darstellungen.



Wie sie äußerten sich viele andere Kongressteilnehmer sehr positiv zu dieser Veranstaltung.



Kathrin Nestler, Sozialamtsleiterin im Saale-Holzland-Kreis:

Ich bin zum ersten Mal hier. Die geladenen Referentinnen und Referenten haben mich interessiert und ich habe hier vieles Neue gehört. Zur Umsetzung des Bundesteilhabegesetzes ist auch für uns noch vieles unklar. Was wird aus dem Bereich Wohnen in der Eingliederungshilfe, wenn die vollstationären Einrichtungen zum 1. Januar 2020 wegfallen sollen? Bisher waren viele Leistungen inklusive, nun werden die Leistungen aufgesplittet, in manchem Bereich sind die Zuständigkeiten offen. Der Austausch in den Pausen hat mir sehr gut getan.



Helga John-Pfeiffer, früher Pädagogische Leiterin einer Werkstätten für Menschen mit Behinderung in Jena und betroffene Mutter, Ehrenamtliche:
Ich habe noch keinen Sozialkongress verpasst und schätze diese Veranstaltung. Die Organisation ist erstklassig, die Themen der Zeit angepasst und die Redner gut gewählt. Heute wurden nochmal die vielen Möglichkeiten des Bundesteilhabegesetzes erläutert und auch die Schwierigkeiten bei der Umsetzung nicht verschwiegen. Der Vortrag von Herrn Schummer hat mir sehr gut gefallen und einiges verständlicher gemacht.



Jürgen Hoffmann, Referent für Kirchenkreis-Diakonie:
Ich bin dankbar für diese Veranstaltung. Die Diakoniestiftung hat dieses Format entwickelt und dies stets weiter nach vorn gebracht. Der Austausch ist wichtig. Hier kann ich mit Vertretern der Kommunen und des Landes zusammentreffen. Die Benachteiligung verschiedener gesellschaftlicher Gruppen, ob alte oder behinderte Menschen, Kranke, Sozialschwache oder Flüchtlinge, sind ein großes Thema, dass eine Veränderung in der Gesellschaft erforderlich macht. Das braucht Zeit, doch solche Veranstaltungen legen dafür den Grundstein.


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