Diakoniestiftung Weimar Bad Lobenstein

04.07.2017 | Mit starkem Wille

04.07.2017 | Mit starkem Wille

Hans-Dieter Hahn geht es wieder richtig gut. Der Rentner lebt in netter Gesellschaft, fährt gern Auto, ist vielseitig interessiert und hat sich zu seinem 80. Geburtstag das beste Geschenk selbst gemacht: Er ist wieder unabhängig von gesetzlicher Betreuung, wie er sagt.

Doch von vorn. Hans-Dieter Hahn hat seit 2006 seine demenzkranke Frau Hannelore betreut. Er war aufgrund ihrer schweren Erkrankung aktives Mitglied der Selbsthilfe-Gruppe von Angehörigen von Menschen mit Demenz. Diese trifft sich regelmäßig im Wohnstift Kloster Donndorf.
2011 konnte er seine Frau nicht mehr zu Hause pflegen. Sie ist deshalb in das wunderschön gelegene Wohnstift in Donndorf gezogen.
„Ich bin froh, dass meine Frau ihr letztes Jahr im Wohnstift verbringen durfte. Dort wurde sich so gut um sie gekümmert, dass für mich feststand, wenn ich einmal Hilfe brauche, will ich auch im Wohnstift versorgt werden“, sagt Hans-Dieter Hahn.
Seine Frau ist im Jahr 2012 gestorben. Herr Hahn, der auch schon den einzigen Sohn verloren hat, musste sich allein zurechtfinden.
Nach einiger Zeit begann er wieder zu reisen. „Ich bin nach Kroatien geflogen und habe dort am Flughafen einen Schlaganfall erlitten. Man brachte mich in ein Krankenhaus. Mein Zustand war so schlimm, dass man mich wohl schon abgeschrieben hatte. Schlechte Bedingungen in dem Krankenhaus, kein Gepäck, keinen Kontakt nach Deutschland. Hinzu kam eine schlimme Infektion im Bein. Ich war am Ende“, erzählt Herr Hahn.

Dann haben sich befreundete Bekannte und eine Auslandsversicherung gemeldet und organisiert, dass er 1300 Kilometer mit dem Krankenwagen in ein Erfurter Klinikum gebracht wurde. Nach der ersten Versorgung kam Herr Hahn zur Kur nach Bad Liebenstein. Er konnte sich nur schwer verständigen, war an den Rollstuhl gefesselt und hatte einen gesetzlichen Betreuer zugeteilt bekommen, der für ihn alles regeln sollte. Diesem konnte er mitteilen, dass er nach der Kur in das Wohnstift Kloster Donndorf wolle.
„Herr Hahn kam bei uns sehr geschwächt an. Durch die Infektion musste er isoliert werden. Er konnte kaum sprechen, ihm wurde das Essen gereicht und hatte noch 68 Kilogramm gewogen - ein Bewohner in Pflegestufe 3 “, erinnert sich Einrichtungsleiterin Kati Weber.
Herr Hahn kämpfte um sein Leben. Bei einem wiederholten Krankenhausaufenthalt verschlechterte sich sein Zustand. Wieder im Wohnstift zurück ordnete ein Arzt an, alle Medikamente abzusetzen. Nach und nach verbesserte sich Herr Hahns Zustand. „Ich spürte, dass es nun aufwärts gehen könnte. Da habe ich die Zähne zusammen gebissen, denn ich wollte wieder gesund werden“, sagt der Senior. Einen starken Willen habe er schon immer gehabt. „Ich folgte den Empfehlungen des Pflegepersonals, habe gegessen und kam langsam zu Kräften. Laufen, wieder laufen war mein Ziel, aber dazu musste ich erstmal aus dem Rollstuhl. Eine Stange am Fenster im Flur war meine Rettung. Dort habe ich tagelang gesessen, die Stange angefasst, festzugedrückt und versucht mich hoch zu ziehen. Irgendwann stand ich, dann konnte ich einen Schritt tun und schließlich zwei Meter gehen“, erzählt Herr Hahn.
Als er wieder gehen konnte, waren seine nächsten Ziele wieder Autofahren und ohne Betreuer selbst über sein Leben zu entscheiden. Dies hat er als „Bevormundung“ empfunden. „Ich musste ihm über jede Ausgabe Rechenschaft ablegen.“ Bald konnte er mit dem Rollator allein raus, dann um den Klosterberg gehen und irgendwann brauchte er auch diesen nicht mehr. Der Körper wurde kräftiger, er wiegt nun 84 Kilogramm. Mit dem Umzug in ein Doppelzimmer, welches er allein nutzt hat er sich wie eine kleine Einraumwohnung eingerichtet, hat dort sein Sofa und Sessel hingestellt und Bilder aufgehängt - Erinnerungen aus seinem früheren Leben. Der Diplom-Ingenieur (FH) hatte im Funkwerk in Kölleda gearbeitet, war Ortschronist und Gemeinderatsmitglied in Gorsleben sowie Schöffe am Gericht.

Pünktlich zu seinem 80. Geburtstag hat das Gericht Hans-Dieter Hahn bescheinigt, dass er wieder eigenständig für sich entscheiden darf, keinen Betreuer mehr braucht. Das schönste Geschenk für ihn.
Mittlerweile hat der Senior sein Haus in Gorsleben verkauft und wohnt im Wohnstift Kloster Donndorf, sogar ein schnelles Auto hat er wieder.
Der Senior ist den Mitarbeiterinnen um Einrichtungsleiterin Kati Weber sehr dankbar, dass sie ihn während all der Zeit mit viel Geduld und Zuwendung unterstützt haben. Frau Weber sagt: „Es ist nicht zuletzt Herrn Hahns starkem Willen zu verdanken, dass er heute wieder so ein erfülltes Leben führen kann. So eine Entwicklung haben wir noch nicht erlebt. Als Herr Hahn hier einzog, musste ihm das Essen gereicht werden, nun hilft er anderen Bewohnern.“


Bild: Hans-Dieter Hahn mit Kati Weber, Leiterin des Wohnstifts Kloster Donndorf.

Text / Bilder: Sandra Smailes



 
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