20 Jahre Weimarer Tafel

1997 nutzten monatlich rund 500 Erwachsene und Kinder die Weimarer Tafel. Heute kommen Monat für Monat etwa 2000 Erwachsene und 1100 Kinder, um sich dort mit Lebensmitteln zu versorgen. Ein Blick auf die Statistik zeigt: Tafeln sind heute wichtiger denn je. Von Wut und Trauerarbeit sprach deshalb am Freitag in seiner Ansprache zum 20-jährigen Bestehen der Weimarer Tafel Superintendent Henrich Herbst, der auch der Aufsichtstratsvorsitzende der Diakoniestiftung ist. Wut und Trauer darüber, dass es uns nicht gelingt, ein Miteinander so zu gestalten, dass Menschen nicht mehr in prekären Situationen leben. Auch Oberbürgermeister Stefan Wolf verhehlte nicht, mit einem lachenden und einem weinenden Auge auf das Jubiläum zu blicken. Wir leben in einem Land, das zu den wohlhabendsten der Welt zählt, eigentlich sollten Tafeln überflüssig sein.

Noch immer aber gibt es unheimlich viele Leute, die auf Hilfe angewiesen sind, sagte auch Henrich Herbst. Umso dankbarer sei er, den Menschen, die sich damit nicht abfinden und die im Hauptamt oder im Ehrenamt für die Tafel arbeiten. Das unterstrich auch Dr. Klaus Scholtissek, Vorsitzender der Geschäftsführung der Diakoniestiftung Weimar Bad Lobenstein: Tafelarbeit lebt vom ehrenamtlichen Engagement, sie braucht ein großes Netzwerk von Unterstützern und Freunden. Sie ist auf viele, viele freiwillige Spenden von Lebensmittelunternehmen angewiesen. Ihnen allen galten seine herzlichen Dankesworte. Auch in Zukunft wolle die Diakoniestiftung als diakonischer Träger der Weimarer Tafel Menschen, die am Rande stehen, Menschen, denen tatsächlich Geld fehlt, die tägliche Nahrung einzukaufen, die durch das soziale Netz fallen oder zu fallen drohen, konkret, wirksam und zuverlässig helfen. Marco Modrow, Leiter des Sozialkontor Johannes Falk und damit auch Leiter der Weimarer Tafel, nannte weitere Zahlen: 70 Mitarbeiter helfen bei den verschiedenen Angeboten des 2013 gegründeten Sozialkontors, davon 40 ehrenamtlich. 30 Supermärkte und Bäckereien spenden der Tafel Lebensmittel. Beim Abholen fahren monatlich Tafelmitarbeiter 2000 Kilometer.

Ursula Kuhn und Evelyn Bürge sind seit fast 20 Jahren für die Weimarer Tafel aktiv. Pfarrer Bernd Müller (heute: Eichert) hatte seinerzeit gemeinsam mit Pfarrer Axel Kramme, Rektor der Diakoniestiftung, die Initiative ergriffen und mit weiteren Engagierten 1996 die Weimarer Tafel gegründet. Zunächst im Schlupfwinkel an der Fuldaer Straße und im Sophienhaus beheimatet, folgte später durch die anwachsende Zahl der Nutzer der Umzug in die Georg-Haar-Straße 14/18.


Weimarer Tafel plus

Das Jubiläum markierte nach der ersten dreijährigen Projektphase auch die Verlängerung des Projektes Weimarer Tafel plus. Das gemeinsam mit Kooperationspartnern intensivierte Projekt will Tafelgästen nach Auskunft von Klaus Scholtissek über die Lebensmittelhilfe hinaus unterstützen und helfen, Tafelkarrieren zu durchbrechen. Wie Scholtissek ankündigte, wolle die Share Value Stiftung, die die diakonische Arbeit in ganz Thüringen und eben auch das Projekt Weimarer Tafel plus stark unterstützt, alle Spenden für die Weimarer Tafel plus erneut bis zu einer Höhe von 40 000 Euro verdoppeln. In diesem Zusammenhang berichtete Scholtissek, das nach einem Spendenaufruf vor wenigen Wochen bereits 8190 Euro gespendet wurden. Darunter ist auch eine größere Spende der Sparkasse Mittelthüringen.

Scholtisseks besonderer Dank galt Marco Modrow, der mit weit überdurchschnittlichem Einsatz die Entwicklung des Sozialkontors Weimar gestaltet und prägt. Im Gespräch mit Bettina Schmidt, Diakoniestiftung, berichtete Marco Modrow von den Herausforderungen, mit denen die Weimarer Tafel durch die Vielzahl der Geflüchteten und den damit auftretenden Sprachbarrieren und kulturellen Unterschieden konfrontiert ist.

Christiane Weber / 11.06.16 / TA


Bild (von Sandra Smailes): Marco Modrow, Leiter der Weimarer Tafel, und Bettina Schmidt, Geschäftsbereichsleiterin Eingliederungshilfen Arbeit/Flüchtlinge/offene Hilfen der Diakoniestiftung, danken Evelyn Bürge (2.v.l.) und Ursula Kuhn stellvertretend für die vielen ehrenamtlichen Helfer für ihre langjährige Arbeit bei der Weimarer Tafel.