25 Abschiede in wenigen Wochen

25 bunte Luftballons sind am Mittwoch von Ebersdorf aus in den Himmel gestiegen. 25 - für jeden, in den vergangenen Wochen an oder mit Corona verstorbenen Bewohner im Seniorenzentrum Emmaus und dem dazugehörigen Haus Elisabeth. Beide Einrichtungen waren schwer von Corona getroffen. In das Seniorenzentrum Emmaus hatte sich das Virus Anfang Dezember eingeschlichen, im Haus Elisabeth war Ende Januar die schlimmste Zeit: Mitarbeitende und Bewohner waren erkrankt. Fachpersonal ist aufgrund von Quarantäne ausgefallen und schließlich sind 25 Bewohnerinnen und Bewohner verstorben, fast alle an der Corona-Infektion. Diese Wochen waren für das Personal besonders schwer. Bürokratische Mehrarbeit, ständige Corona-Tests, ausgefallene Kollegen, traurige Bewohner, weil kein Besuch kommen durfte, die vielen Verluste. „Wir hatten kaum Zeit durchzuatmen, Unterstützung von außen war kaum möglich, weil ja striktes Betretungsverbot herrschte, da war klar, wenn das alles überstanden ist, tun wir etwas Gutes für uns“, sagt Franziska Hecklau, Pflegedienstleiterin im Haus Elisabeth. 
Am Mittwoch konnte dies stattfinden. Fast 30 Mitarbeiterinnen aus beiden Häusern, darunter die Leiterin Anja Küfner, hatten unter zwei schattigen Buchen im Garten des Hauses Elisabeth zu einer besinnlichen Andacht Platz genommen. Pfarrer Tillmann Boelter erinnerte an die schwere Zeit, erzählte von den Tagen an denen so viel zu tun war und so viel Abschied von langjährigen, liebgewonnenen Menschen genommen werden musste. Schwester Susanne aus Saalburg hatte Dienst, als am 30. und 31. Januar sechs Bewohner verstorben sind. „Ich war völlig überfordert, mir war schlecht und am nächsten Tag ging es weiter, die nächste Schicht.“ Freilich wird im Seniorenzentrum gestorben, doch was in dieser kurzen Zeit geschehen ist, passiert sonst in einem ganzen Jahr.
„Es ist euer Beruf, für andere das zu sein, für andere stark zu sein, nun wollen wir euch Gelegenheit zum Innehalten geben und danken“, sagte der Pfarrer. Eigentlich ist er regelmäßig zu Andachten in den Häusern, doch auch das war wegen dem Corona-Schutz in den vergangenen Wochen nicht möglich.
Nachdem die Namen der im Dezember und Januar verstorbenen Bewohnerinnen und Bewohner verlesen waren, blickten alle lange den bunten Luftballons nach, dann wurde ein Gebet gesprochen und gesungen. 
In der anschließenden Kaffeerunde, zu der Kuchen oder Gebäck mitgebracht wurde, war nicht nur die akute Corona-Zeit Thema, es gilt nach vorn zu schauen. Das bedeutet für das Team vom Haus Elisabeth, sich einen lange gehegten Wunsch zu erfüllen, den Garten am Haus umzugestalten, Bewohnerfreundlicher machen und dafür bitten sie um finanzielle Unterstützung.