Altentagesstätte besteht seit 10 Jahren

Mehr als 300 Gäste bei Benefizkonzert
Im Rentenalter gut versorgt

Ehrenfried Heidenreich hat bis zu seinem 65. Lebensjahr in Altengesees und Bad Lobenstein gearbeitet. Er hat verschiedene Aufgaben in den Werkstätten Christopherushof erfüllt und musste dann in Rente gehen, weil dies das System vorgibt. Was macht ein behinderter Mensch im Alter?

Herr Heidenreich, der mittlerweile 74 Jahre alt ist und in der Wohnstätte Am Kießling lebt, besucht die Tagesstätte für altgewordene Menschen mit Behinderung. Dort erfährt er eine professionelle, abwechslungsreiche Betreuung. Die Einrichtung ist im Telehaus Korn in der Lobensteiner Karl-Marx-Straße untergebracht und wurde im September 2003 eröffnet. Die zentrale Lage erlaubt den Menschen einkaufen zu gehen, um gemeinsam das Mittagessen zuzubereiten. Außerdem gibt es Spaziergänge, Zeitungsschau, Bastelangebote, kognitives Training und die Pflege der individuellen Hobbies. Ehrenfried spielt gern Akkordeon, dass kann er in der Tagesstätte jederzeit tun. „Wir bieten den Gästen kleine Werkstattarbeiten an, damit sich Übergang vom Arbeits- in das Rentnerleben sanft gestaltet. Mancher will weiterhin produktiv sein“, sagt Jessica Sgorzaly, Leiterin der Tagesstätte.

Am Freitag wurde das zehnjährige Bestehen gefeiert. Lobensteins Pfarrer Stefan Ibrügger, Bettina Schmidt, die Vorsitzende des Geschäftsbereiches Eingliederungshilfe der Diakoniestiftung, Werkstattleiter Dieter Adler und einige andere Gäste waren gekommen, um mit den 15 alten Menschen zu feiern.

Bettina Schmidt erzählte, wie die Idee zur Tagesstätte kam und sie erinnerte, dass damals sämtliche zuständigen Behörden der Meinung waren, dass es keine Lösung für die Menschen gibt, den Tag würdig zu verbringen. „Was bieten wir den Frauen und Männern an, die nicht mehr in der Werkstatt arbeiten können? Einige behinderte Menschen leben in Wohnstätten, die liegen meist an den Werkstätten, andere sind in ambulant betreuten Wohngruppen untergebracht, wieder andere leben zu Hause, das ist eine großer Herausforderung“, sagt Bettina Schmidt.

Vor allem Menschen, die zu Hause leben, bisher den Tag in der Werkstatt verbracht haben, müssen auch im Rentenalter betreut werden. Denn häufig sind deren Eltern schon sehr alt, andere Familienmitglieder gehen ihren Aufgaben nach. Durch die Tagesstätte können sie zu Hause leben bleiben, sind gut versorgt und sinnvoll beschäftigt.

Die vor zehn Jahren eingerichtete Tagesstätte war für zunächst zwölf Frauen und Männer vorgesehen. Mittlerweile sind montags bis freitags 15 Gäste da und es werden weitere Plätze benötigt. Die Tagesstätte wird von Kostenträgern finanziell unterstützt, gilt aber noch als ein Modellprojekt, eine gesetzliche Lösung gibt es bisher nicht. Die Diakoniestiftung hofft, dass bald eine klare Regelung getroffen wird. Denn auch behinderte Menschen werden älter, der Pflegebedarf und damit die Kosten steigen.

Die Diakoniestiftung betreibt weitere Tagesstätten für alt gewordene Menschen in Schleiz, Stelzen, Gefell und Quittelsdorf. Überall dort, wo es Wohnstätten für behinderte Menschen gibt, wird sich auch um die Alten gekümmert. In naher Zukunft wird ein Angebot in Saalfeld entstehen.


Text / Foto: Sandra Smailes