Das Essen kommt nun auf den Teller

Das Essen kommt nun auf den Teller

Monika Koop aus Paraguay beendet Bundesfreiwilligendienst in Altengesees


Mit einem Koffer voller Erinnerungsstücke und dem Kopf voller Anregungen fliegt Monika Koop Anfang nächster Woche zurück nach Paraguay. Gemeinsam mit einer Kollegin hat sie für mehr als neun Monate in den Wohn- und Werkstätten für Menschen mit Behinderung in Altengesees gearbeitet und war während des Praktikums auch an den Werkstatt-Standorten Bad Lobenstein und Saalfeld tätig. Ziel war es, dort zu helfen und vor allem zu erleben, wie mit den Menschen mit Behinderung umgegangen wird. Während ihres Aufenthaltes konnte sie an Schulungen und Weiterbildungen teilnehmen und viele Erfahrungen sammeln.

Die 48-jährige Monika Koop lebt in der deutschen Kolonie Fernheim und arbeitet dort in einer Werkstatt für Menschen mit Behinderung. Die Anlage wurde vor einem Jahr eingeweiht und entspricht modernen Standards. Zurzeit werden bis zu 40 Menschen mit Behinderung betreut, es ist Platz für mehr als doppelt so viele. Bereits seit vielen Jahren hilft die Diakoniestiftung mit Ideen und eigenen Erfahrungen, um das Leben von Menschen mit Behinderungen auch dort noch zu verbessern. Außerdem waren schon Mitarbeitende in Paraguay um beim Aufbau der Werkstatt und der Gestaltung der Arbeit zu helfen. Nun konnte auch Monika Koop Eindrücke sammeln. Hier einige Fragen an sie:


Was nehmen Sie von der Diakoniestiftung mit?

Es ist eine große Einrichtung in der gut zusammengearbeitet wird. Ich hab gelernt, dass jedem Menschen, egal welche Art Behinderung er hat, etwas zugetraut werden kann, er Kompetenzen hat. Diese zu finden ist eine große Herausforderung. Hier wird dies getan, um für jeden eine passende, für ihn erfüllende Aufgabe zu finden. Deshalb gibt es eine unglaubliche Vielfalt an Arbeitsbereichen.


Können Sie diese Eindrücke in Paraguay umsetzen?

In meinem Bereich ganz sicher. Ich arbeite in der Hauswirtschaft. Bisher dachte ich Reinigungsdienste und Lebensmittelzubereitung kann nur bestimmten Menschen zugetraut werden und sowieso nur Frauen. Hier habe ich erlebt, dass viele Leute, Frauen und Männer, gut und gern in der Hauswirtschaft arbeiten. Sehr gut finde ich die Kompetenzanalyse für jeden einzelnen Beschäftigten. Gemeinsam mit den Leuten wird formuliert, was im nächsten Jahr erreicht werden kann. Auch Schwächen gesteht man sich ein.


Gibt es weitere Impulse?

Große Unterschiede habe ich beim Essen erlebt. Bei uns wird das Mittagessen nicht auf dem Teller an den Tisch gebracht, bei uns bedient sich jeder, der selbst kann am Buffet. Die Leute packen den Teller voll, Essen zu viel oder werfen dann viel weg. Das möchte ich ändern.


Wie ist ihr Aufenthalt organisiert?

Dank des Bundesfreiwilligendienstes sind auch Stellenbesetzungen ausländischer Frauen und Männer möglich. Dies hat die Diakoniestiftung für uns genutzt. Wir erhalten Taschengeld, sind versichert und wohnen kostenfrei über dem Hofladen in Altengesees. Außerdem sind wir mit den anderen Bundesfreiwilligendienstlern vernetzt, nehmen an Weiterbildungen und Ausflügen teil.


Mit welchem Gefühl fahren Sie nach Hause?

Ich bin froh, wieder unter mehr Menschen zu kommen. Altengesees ist schon sehr ruhig gelegen. Aber ich freue mich die Neuerungen zu Hause vorzuschlagen und umzusetzen. Ich möchte auch erreichen, dass sich in der Freizeit mit so viel Hingabe um die Bewohner gekümmert wird. Denn das Leben in den Wohnstätten ist geduldig und angenehm. Gut finde ich, dass die Gruppenleiter hier eine recht hohe Verantwortung tragen und sich gut auf die Beschäftigten einstellen können.


Konnten Sie etwas für Altengesees hinterlassen?

Die Christo-Bäckerei wird nun regelmäßig ein Salzgebäck aus Paraguay anbieten. Die kleinen Teilchen heißen Chipa und schmecken den Leuten hier gut. Außerdem steht eine Schaukel für vier Personen auf dem Hof der Werkstatt, ein Nachbau aus unserer Kolonie.


Text und Fotos: Sandra Smailes