Förderschule ohne Schüler?

Laut, vor allem laut und mit vielen Stimmen sollte gegen das geplante inklusive Schulgesetz protestiert werden, so der Rat von Rolf Busch, dem Vorsitzenden des Thüringer Lehrerverbandes. Er war einer von sechs Teilnehmern einer Podiumsdiskussion zu dem in Vorbereitung befindlichen neuen inklusivem Schulgesetz.
Mit diesem Gesetz will die Thüringer Landesregierung die Förderschulen de facto abschaffen und alle Kinder, auch die, mit geistigen, psychischen oder schwerst mehrfachen Behinderungen in den Gemeinsamen Unterricht verpflichten. . Das Gesetz wird seit dem Sommer vorbereitet, wurde aber bisher noch nicht der Öffentlichkeit vorgestellt.
Christian Tischner, Bildungspolitischer Sprecher der CDU-Fraktion im Landtag, befürchtet Förderzentren ohne Schüler. „Es kann passieren, dass wir die modern ausgestatteten Schulen nur noch als Beratungsräume nutzen dürfen. Die vorschulische Förderung von Kindern mit Förderbedarfen könnte komplett abgeschafft und dann nachträglich an die schon jetzt überlasteten Grundschulen übertragen werden. Außerdem ist geplant, die Gutachten zum Förderbedarf der Kinder nicht mehr von den Trägern, sondern zentral durch eine staatliche Behörde durchführen zu lassen“, zählt der Greizer auf. Der Schulreferent der Diakonie Mitteldeutschland und der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland, Herr Röder, betonte zusätzlich die bedrohte, aber verfassungsrechtlich garantierte Wahlfreiheit der Eltern und kritisierte die viel zu kurz gesprungene Interpretation von Inklusion als Mechanismus zur Verteilung von Schülern auf Regelschulen.
Für einen Wettbewerb im Bildungssystem spricht sich Thomas Fügmann, Landrat im Saale-Orla-Kreis und früherer Schulamtsleiter aus. Das jetzige Schulsystem sei gar nicht in der Lange, die Förderschüler aufzufangen, weder personell noch räumlich. In Bezug auf die Kinder mahnte er, dass besonders Kinder mit Behinderung eine feste Bezugsperson, klare Strukturen und eine vertraute Umgebung brauchen. Das könnte derzeit keine Einrichtung besser leisten als eine Förderschule. „Politisch klingt das schick, aber die Praxis funktioniert nicht, vielleicht in 20 oder 30 Jahren, aber jetzt noch nicht.“
Mehr als eine Stunde lang wurde intensiv auch mit den anwesenden Gästen diskutiert. Am Ende stand das Ergebnis, dass man zunächst den Gesetzentwurf abwarten muss und dann gegebenenfalls laut dagegen protestieren soll. Alle Möglichkeiten der Demokratie sollen genutzt werden. Stefan Nüßle, der Landeselternsprecher der Förderschulen, steht schon in den Startlöchern. Sein Plan: Informationen, Öffentlichkeitarbeit, Aktionen, die Landtagsmitglieder einbinden und vieles mehr.
Schulleiterin Anett Richter bedankte sich bei allen Teilnehmern des Empfangs und besonders bei den ehrenamtlichen Mitgliedern der Förderstiftung: „Danke, dass sich vor fünf Jahren Menschen gefunden haben, die diese Schule unterstützen. Schon oft mussten wir um unsere Existenz bangen und sie sind da und helfen uns.“


Fünf Jahre Einsatz für die Michaelisschule - Danke!

Die Förderstiftung der Michaelisschule in Bad Lobenstein wurde im Mai 2011 gegründet. Zweck der Stiftung ist die nachhaltige Unterstützung und die Sicherung des Fortbestandes der Michaelisschule als Förderschule und als Gemeinschaftsschule in freier Trägerschaft.

Mit Spendenwerbung, Benefizkonzerten und viel Öffentlichkeitsarbeit unterstützt der Stiftungsrat die Schule. Die Mitglieder des ehrenamtlich arbeitenden Stiftungsrates sind: Thomas Franke (Vorsitzender), Rolf Busch, Thomas Fügmann, Dr. Allam Hanna, Angela Herrmann, Dr. Thomas Kaatz , Bertram Kawlath, Monika Kelz, Sandra Naumann, Gerlind Philipp, Michael Werner und Anett Richter.


Sie können die Schule mit Spenden, Zustiftungen und Fördermitgliedschaften unterstützen. Info: Schulleiterin Anett Richter, Tel. 036651 641-100, A.Richter@diakonie-wl.de


Bild: Diskussion zum geplanten inklusiven Schulgesetz, v.l.: Rolf Busch, Landesvorsitzender des Thüringer Lehrerverbands, Thomas Fügmann, Landrat des Saale-Orla-Kreises, Stefan Nüßle, Landeselternsprecher Förderschulen, Uwe-Karsten Röder, Schulreferent der Ev. Kirche in Mitteldeutschland und der Diakonie Mitteldeutschland Christian Tischner, Bildungspolitischer Sprecher der CDU-Fraktion im Thüringer Landtag, Karsten Anders, Moderator und Dr. Klaus Scholtissek, Vorstandsvorsitzender des Michaelisstiftes Gefell