Für eine gute Zukunft

Für eine gute Zukunft
Förderstiftung für Fürstin-Anna-Luisen-Schule gegründet


An dem Ort, wo Friedrich Fröbel vor 171 Jahren mit der Eröffnung des ersten Kindergartens Geschichte für Erziehung und Bildung geschrieben hat, wurde am Donnerstagabend (15.12.) eine Förderstiftung für die Fürstin-Anna-Luisen-Schule in Bad Blankenburg gegründet. „Eine Aktion, die nicht aus freudigem Anlass stattgefunden hat, aber in eine gute Zukunft weisen soll,” wie Katrin Göring-Eckardt in ihrer Videobotschaft betonte.
Im Fröbelsaal der Stadt Bad Blankenburg waren Lehrer und Erzieher, Schülerinnen und Schüler, Stiftungsräte, Vertreter der Evangelischen Stiftung Christopherushof und der Diakoniestiftung Weimar Bad Lobenstein gGmbH sowie interessierte Menschen zusammen gekommen.
Bürgermeister Frank Persike sagte in seiner Begrüßung, dass die freien Träger und die Stadt ein gemeinsames Problem hätten: „Wir sind von den Mittelkürzungen des Landes betroffen und haben dadurch große Schwierigkeiten unsere Aufgaben zu erfüllen. Die Gründung einer Förderstiftung ist eine gute Sache dem entgegenzusteuern und deshalb unterstützte ich diese Stiftung sehr gern.“

Mit der Unterzeichnung der Stiftungsurkunde wurde die Stiftung gegründet. Sie beginnt mit 10 000 Euro Startkapital. Dieses soll sich durch Zustiftungen schnell vermehren. Die Verwaltungsarbeit wird von der Diakoniestiftung Weimar Bad Lobenstein gGmbH übernommen. Alles gespendete Geld kommt in den Stiftungstopf.

„Die Förderstiftung wird mit Spenden und Zustiftungen ein Stiftungsvermögen bilden, das sicher und gewinnbringend angelegt wird. Stiftungszweck ist die nachhaltige finanzielle Förderung und Absicherung der Fürstin-Anna-Luisen-Schule Bad Blankenburg. So soll die Schule langfristig erhalten und damit die Vielfalt der Schullandschaft in der Region gesichert werden“, erklärte Birgit Steffani. Seit September ist sie Leiterin der Förderschule. 65 Jungen und Mädchen lernen dort, werden gefördert und verbringen die Tage ihren Fähigkeiten entsprechend.

Dr. Klaus Scholtissek, Vorstand der Evangelischen Stiftung Christopherushof und Vorsitzender der Geschäftsführung der Diakoniestiftung Weimar Bad Lobenstein gGmbH, erklärte die Notwendigkeit der Stiftung: „Durch die aktuelle Politik des Thüringer Ministeriums für Bildung, Wissenschaft und Kultur werden die Zuschüsse für Schulen in freier Trägerschaft gesenkt. Der Eigenanteil der Ev. Stiftung Christopherushof steigt von 15 Prozent auf 20 Prozent. Diese Last ist vom Schulträger allein nicht mehr zu bewältigen. „Wir benötigen Unterstützung von Spendern und Sponsoren, um die Schule zukünftig erhalten zu können“, bittet Dr. Klaus Scholtissek um Engagement und finanzielle Mittel.


In der Schule werden seit 20 Jahren Jungen, Mädchen und junge Erwachsene mit hohem sonderpädagogischem Förderbedarf in der geistigen Entwicklung betreut. Außerdem gibt es dort Schüler mit schweren Mehrfachbehinderungen oder autistischen Symptomen. Eine Aufgabe die kaum eine staatliche Schule anbietet und die durch Integration in eine herkömmliche Bildungseinrichtung nicht geleitet werden kann.

„Zu DDR-Zeiten gab es keine Schulen für Menschen mit geistiger Behinderung. Die Einrichtungen gehörten dem Gesundheitswesen an, Bildung hat dort nicht stattgefunden. Nach dem Zusammenbruch der DDR ist dank der freien Träger eine enorme Entwicklung in Gang gekommen. Unser Kirchenkreis ist stolz auf diese Schule. Sparprogramme zur Haushaltskonsolidierung dürfen nicht zu Lasten dieser oder irgendeiner anderen Schule passieren. Die Schule braucht unsere Unterstützung“, so Bernd Zeuner, ehemaliger Schulamtsleiter des Staatlichen Schulamtes Rudolstadt und Präses der Kreissynode Rudolstadt-Saalfeld.

„Wo die repräsentative Demokratie den Bürgerwillen nicht abzubilden vermag, ist die Gründung einer Förderstiftung zur Stützung einer unverzichtbaren Bildungseinrichtung ein richtiger Weg“, mit diesen Worten unterstreicht er die Notwendigkeit der Stiftung.


Als Elternvertreterin kam Yvonne Neubeck-Aßlan zu Wort. Ihre Tochter Ronja ist Autistin und lernt seit neun Jahren in der Schule. Ihr ist es wichtig, dass Kinder die richtige Schule finden, denn sie sind keine Versuchskaninchen und sollten nicht für Experimente gebraucht werden. In dieser Schule bestimme jedes einzelne Kind an jedem Tag neu den Lehrplan. Das müsse im Sinne der Kinder erhalten bleiben.


Mit Prof. Dr. Kai Brodersen, Präsident der Universität Erfurt, hat die Förderstiftung ein weiteres prominentes Mitglied im Stiftungsrat gefunden. Seine Rede zur Gründungsfeier schlug den Bogen von Martin Luther und seiner Forderung einer Schulpflicht vor 488 Jahren in Erfurt zum Anlass der Feier. Gemeinsam mit ihm wollen Heidrun Dost, Filialdirektorin der Volksbank Saaletal eG; Siiri Geigerhilk, Förderverein der Fürstin-Anna-Luisen-Schule; Matthias Gropp, Geschäftsführer der Stadthalle Bad Blankenburg BGmbH; Gerhard Günther, Mitglied des Thüringer Landtages; Thomas Günzel, Direktor des Evangelischen Allianzhauses Bad Blankenburg; Andreas Kämpf, Pfarrer der Ev.-Lutherischen Kirchengemeinde Bad Blankenburg; Frank Persike, Bürgermeister der Stadt Bad Blankenburg; Birgit Steffani, Schulleiterin der Fürstin-Anna-Luisen-Schule; Michael Wurlitzer, Notar; Bernd Zeuner, ehemaliger Schulamtsleiter des Staatl.Schulamtes Rudolstadt und Präses der Kreissynode Rudolstadt-Saalfeld finanzielle Mittel zur Erhaltung der Schule sammeln.

Die Gründungsfeier wurde vom Chor der Schule musikalisch umrahmt. Als Dank für ihren Einsatz erhielten alle Stiftungsratsmitglieder einen Kunstkalender der Schule.


>> Hier gelangen Sie zur Bildergalerie <<



Text/Fotos: Sandra Smailes