Gartenzaun-Singen in Schleiz

Im Schleiz gibt es zwei Einrichtungen der Diakoniestiftung Weimar Bad Lobenstein, die nicht nur Alt und Jung verbinden, sondern auch Menschen mit und ohne Behinderungen integrieren. Das Michaelishaus beherbergt 24 alt gewordene Menschen mit Behinderung. Im Evangelischen Kindegarten werden bis zu 75  Mädchen und Jungen betreut. Jung und Alt sehen sich am Zaun, winken einander zu, hin und wieder gibt es gemeinsame Aktivitäten. So auch am Martinstag. Mitten in alle Turbulenzen dieser Tage kam nach Schleiz ein Mann, der das Leben ein kleines Stückchen besser macht: Sankt Martin. 
Die Kinder vom Evangelischen Kindergarten ließen, hübsch verkleidet mit berührenden Worten und Liedern die alte Legende lebendig werden.
„Ich freu` mich schon auf die Kinder!“ strahlte Hannelore (78 Jahre) und sicherte sich mit ihrem Rollator auf der Veranda neben den Mitbetreuten einen günstigen Platz.
Um sie herum sammelten sich die anderen Seniorinnen und Senioren aus der Wohngruppe vom Obergeschoss des Michaelishauses. Von hier oben sieht man gut und wird man gut gesehen. Alle vom Erdgeschoss positionierten die Gartenstühle an diesem sonnigen, herbstlich kühlen Novembertag am Gartenzaun, um den Kindern näher zu sein. Die Mitarbeitenden assistierten mit vielen Handgriffen.
Für die jüngeren, mobilen Betreuten mit Autismus-Spektrum-Störung bedeutet so eine Begegnung große Aufregung. Sie brauchen und genießen Extra-Zuwendung. Thomas kommuniziert gern durch Malen. Für den heutigen Anlass wählt er gezielt zwei Farben aus – rot für den Heiligen und braun für weitere Details. Auf seinem Bild erkennen auch und gerade die Kinder den Heiligen Martin, der links mit dem Mantel das Bild betritt und nach dem legendären Teilen rechts froh weiterreitet. 
„Zwei Mal im Jahr treffen sich Jung und Alt zum sogenannten „Gartenzaun-Singen“. So eine kurze Begegnung bedarf nicht allzu viel Vorbereitung, birgt aber viele Chancen. Im gemeinsamen Wahrnehmen, Begrüßen, Beschenken, Singen, Musizieren und Zuhören liegen wichtige Impulse für eine ganzheitliche, positive Entwicklung. Das bereichert ein Kindergartenkind anders, aber doch auch genauso wie die Michaelishaus-Bewohner mit ihren besonderen Lebenserfahrungen“, sagt Doreen Herbst. Die Heilpädagogin und Musiktherapeutin ist im Michaelishaus für die Tagesstruktur zuständig.  
Während die Hochbetagten die wirbeligen kleinen Nachbarskinder mit Trommel, Gitarren und motivierten Singstimmen noch beim Laternenumzug begleiteten und ihnen ein Segenslied auf den Weg mitgaben, bleibt ein Gefühl und Wunsch von allen Beteiligten zurück. Heute haben wir die Welt ein kleines Stückchen besser gemacht.

Text und Bild von Doreen Herbst/ Diakoniestiftung