Globalisierung im positiven Sinne

Reger Kontakt nach Paraguay – Globalisierung im positiven Sinne

Unterstützung durch die DWL bei Aufbau einer Werkstatt für behinderte Menschen in der deutschen Kolonie Fernheim - Bettina Schmidt hilft u.a. beim Bau von Stabwebgeräten


Es ist schon einige Wochen her, dass vier Vertreter der Diakoniestiftung Weimar Bad Lobenstein gGmbH mit vielen Ideen und spannenden Aufgaben im Gepäck nach Paraguay flogen. Aber die Wirkung dieser Reise hat noch lange nicht nachgelassen. Nachhaltigkeit nennt man das und genau das wollten Norbert Hetterle, Bettina Schmidt, Frank Schmidt und Antje Jäschner erreichen: Nicht mit Geld sondern durch die Weitergabe von über Jahren hart erarbeiteten Wissens mithelfen, eine Werkstatt zu etablieren, die in Paraguay seinesgleichen sucht. Herausragende Arbeit hat in den vergangenen anderthalb Jahren Ewald Düks, der Leiter der Sozialstation der Kolonie Fernheim geleistet. Seinem Engagement und seiner Überzeugungsarbeit ist es zu verdanken, dass dieses Projekt möglich wurde und nun unter Mithilfe vieler Mitarbeiter in der Hauptstadt Philadelphia umgesetzt werden konnte. Ganz besonders froh über diese Entwicklung ist Norbert Hetterle. Durch ihn als früheren Vorstandsvorsitzenden der Evang. Stiftung Christopherushof ist der Kontakt zur deutschen Kolonie entstanden und bis heute immer weiter ausgebaut worden.


Die Werkstatt wurde Anfang April eröffnet und im Beisein der Mitarbeiter der DWL und mit großem öffentlichem und politischem Interesse eingeweiht. Sie bietet Arbeitsplätze für bis zu 80 Menschen, zunächst arbeiten dort 25 Frauen und Männer mit unterschiedlichen Behinderungsgraden.


Bettina Schmidt, die Vorsitzende des Geschäftsbereiches Eingliederungshilfe der Diakoniestiftung war in doppelter Funktion nach Paraguay gereist. Denn nicht nur die Diakoniestiftung Weimar Bad Lobenstein gGmbH sondern in erster Linie der Förderverein Christopherus e.V. möchten den Menschen mit Behinderung in der Kolonie helfen. Nach regem Austausch und dem Sammeln von Erfahrungen einiger Vertreter des Sozialbereiches der Kolonie Fernheim bei uns in Deutschland, konnte jetzt im eigenen Land eine Werkstatt für behinderte Menschen nach unserem Vorbild unter Beachtung der dortigen Gegebenheiten errichtet werden. Nun kommt es auf die Umsetzung der verschiedensten Ideen an.


„Wir unterstützen nicht mit Geld. Das ist in erster Linie nicht notwendig und auch nicht möglich, aber unsere langjährige Erfahrung hilft. Wir zeigen, dass es möglich ist, für fast alle Menschen eine sinnvolle Aufgabe zu finden und sie damit an der Gesellschaft teilhaben zu lassen, sie zu integrieren“, sagt Bettina Schmidt und fügt hinzu „Wer was erreichen will hat ziele, wer was verhindern will hat Gründe.“Richtig froh habe sie der Besuch in Paraguay gestimmt. Weil dort etwas bewegt werden konnte. Gemeinsam wurden Werkstattbereiche eingerichtet, z.B. eine kleine Weberei mit Stabwebgeräten gebaut und diese zum Einsatz gebracht. Erste Versuche, die Menschen mit Behinderung an diese Arbeit heranzuführen, seien ausgesprochen erfolgversprechend gelaufen.


„Gemeinsam haben wir ein Kissen gewebt, es fertig gemacht und das Ergebnis vorgeführt. In der Werkstatt gibt es einen Bereich Holzbearbeitung. Dort werden Stühle gebaut. Das gewebte Kissen passt sehr gut dazu und so können noch viele entstehen“, erzählte sie ein Beispiel. Damit die Mitarbeiter weitere Anregungen und Anleitungen erhalten, auch um den behinderten Menschen zu helfen, den Arbeitstag zu strukturieren, wird in den kommenden Monaten ein Mitarbeiteraustausch zwischen Philadelphia und Altengesees angestrebt. So können weiter Erfahrungen in der Behindertenarbeit direkt an der Basis ausgetauscht werden. Auch neue Praktikanten wurden schon vermittelt und werden angelernt. „Wer die Vision nicht kennt, für den ist kein Weg der richtige“, nennt Bettina Schmidt ein weiteres Motto, das Antrieb für die Unterstützung ist.


Eine bisher weniger bekannte Möglichkeit der Entspannung brachte Antje Jäschner mit ihren kreativen Fähigkeiten mit nach Paraguay. Sie gestaltete in der Werkstatt zwei Snoozle-Räume, beschaffte die notwendigen Materialien und richtete diesen mit Geschmack und Ideenreichtum ein. Obwohl neu und ungewohnt wurde es sehr gerne angenommen und gewürdigt.


Frank Schmidt Wohnstättenleiter in Altengesees, leistete bei der Führung und Organisation der Wohnstätten der behinderten Menschen seinen Dienst und konnte zahlreiche Ideen für die Freizeitgestaltung beisteuern. Er ist seit Mitte 2010 Diakon und wirkte auch in dieser Funktion in Paraguay. Aber letztendlich verstehen alle vier Vertreter der Diakoniestiftung Weimar Bad Lobenstein ihre Hilfe auch als einen Dienst der Nächstenliebe. „Wir wollen von dem, was wir für die behinderten Menschen bei uns aufgebaut haben, etwas weitergeben und voneinander lernen. Gemeinsam über den Tellerrand zu schauen war für beide Seiten bereichernd. So konnten wir die Idee und Zeichnung für eine ganz spezielle Schaukel mitnehmen, die unsere Tischlereimitarbeiter sofort in Holz umgesetzt haben und den Prototyp zum Jahresfest präsentieren werden. “ erklärt Bettina Schmidt. Ihr habe der Aufenthalt trotz oder gerade wegen hoher Herausforderungen, vieler Aufgaben und offizieller Termine und Besprechungen sehr viel Freude gemacht, weil sie die Arbeit stark an den Aufbau der Werkstätten Christopherushof erinnert hat. Und nicht zuletzt sind Freundschaften beim gemeinsamen Arbeiten entstanden, die Verständnis für einander entwickeln lassen und weiter gepflegt werden.


Und es geht noch weiter: Zurzeit ist Domenika Eitzen als Austauschlehrerin an der Michaelisschule in Bad Lobenstein zu Gast, um von unserem Schulkonzept zu lernen.


Bettina Schmidt dankt allen, die bei der Vorbereitung und Durchführung der Reise behilflich waren und natürlich für die überaus herzliche Aufnahme und Gastfreundschaft in der Kolonie Fernheim.


Ein besonders großer Dank geht an den Vorstandsvorsitzenden der Kreissparkasse Saale-Orla Herrn Helmut Schmidt: Er konnte nachdem die DWL-Mitarbeiter wieder in Deutschland waren, einen Scheck in Höhe von 5000 Euro zur Unterstützung der neuen Werkstatt in Paraguay übergeben. Die Verantwortlichen und die Mitarbeiter in Paraguay werden das Geld für die Werkstatt gut gebrauchen können und für die vier Vertreter der Diakoniestiftung ist es eine „Belohnung“ ihres Mutes und Engagements.


Text: Sandra Smailes