Haus der Diakonie bringt blau ins grau

Mit dem Umzug der Suchtberatung und des Diakonieladens haben sich die letzten Büros und Räume im Haus der Diakonie in der Brudergasse Saalfeld gefüllt. Die Begegnungsstätte Café Waage hat gleich zwei freie Träger.

Saalfeld. Die rhythmischen Schläge der Trommelgruppe "Kongas" hallen durch die Brudergasse, auch wenn die Trommler nicht zu sehen sind. Sie haben sich vor dem Regen verzogen in den schützenden Eingang der Brudergasse 11, der einen Hälfte des Hauses der Diakonie. Der Tag der offenen Tür, mit dem die Diakoniestiftung Weimar Bad Lobenstein gestern die Vollendung dieses Projektes feiert, ist nicht zu überhören - und im nieseligen Herbstgrau auch nicht zu übersehen: Zwei große Banner mit dem leuchtend blauen Schriftzug auf violettem Untergrund umrahmen die Mitte der Brudergasse und künden von der Einheit der beiden Gebäude links und rechts der Straße zu einem Haus der Diakonie.

Hier, wo die Trommler jetzt ihre Instrumente aufgebaut haben, begann das Projekt vor acht Jahren. Die Diakoniestiftung übernahm die Brudergasse 11 und baute sie um zum Wohnprojekt für Menschen mit geistiger Behinderung. Heute haben im Vorderhaus 26 Schützlinge ein Zuhause gefunden, in die Nebengebäude im Hof sind Büros eingezogen. Im Erdgeschoss ist der jüngste Mosaikstein im Diakonieangebot zu finden: der gestern eröffnete Diakonieladen "Geben und Nehmen" mit Kleiderkammer und Angeboten aus den Diakoniewerkstätten, der von der Saalstraße hierher ­umgezogen ist.

Zugleich beginnt hier eine Kooperation, die für beide Seiten Neuland ist: Im Café Waage gehen die Kommunikationsstätte des Ökus e. V. im Haus nebenan und das Café im ehemaligen Diakonieladen auf. In Zeiten knapper Fördermittel für freiwillige Leistungen habe diese Lösung nicht nur räumlich nahe gelegen, begründet Bettina Schmidt, die Vorsitzende des Geschäftsbereiches Eingliederungshilfe, die Zusammenarbeit mit dem Diakonieförderverein Christopherus e. V., den Kirchengemeinden und dem Ökus. Nicht ohne Wehmut blickt Ökus-Geschäftsführerin Karin Eckhardt auf "fast 20 Jahre Frauenkommunikationszen­trum" zurück, freut sich aber, dass wir nun Althergebrachtes weiterführen und zugleich neue Dinge angehen können." Wenn sich jeder einbringe - Mitarbeiter, Ehrenamtliche und Gäste im Café - "dann sind wir in Waage", erklärt Bettina Schmidt den Namen.

Wo Diakonieladen und das Café eingezogen sind, war bis vor kurzem die Tagespflege der Diakonie untergebracht. Die 15 Senioren werden nun schräg gegenüber betreut, im zweiten Teil des Hauses der Diakonie in der Brudergasse 16/18. Hier können sie Aufenthaltsräume mit Beschäftigungsangeboten und Ruhezimmer nutzen und haben über eine Terrasse ­Zugang zum geschützten Innenhof.

Die ersten, die hier nach dem Umbau des ehemaligen Katasteramtes vor zwei Jahren einzogen, waren die Mitarbeiter der Erziehungs-, Ehe-, Familien- und Lebensberatung . Dann kamen in einem Anbau im Hof 17 altengerechte Wohnungen hinzu. Nach und nach füllte sich das Haus mit der Jugendberatung, der einzigen im Landkreis Saalfeld-Rudolstadt, die Diakonie-Sozialstation, der Kirchenkreissozialarbeit, den Kontaktbüros für ambulant betreutes Wohnen und für Gemeinde­psychiatrie und dem Hospiz- und Palliativberatungsdienst. Nun sind seit kurzem auch die letzten Büros durch den Umzug der Suchtberatungsstelle vom Hohen Ufer in die Brudergasse gefüllt, die gestern offiziell ein­geweiht wurden.

"Wir wollen die Menschen nicht verwalten, sondern individuell beraten", sagt die Leiterin der Suchtberatung, Karola Hausdorf. Dazu sind die Wege nun deutlich kürzer und die Bedingungen effektiver geworden. Menschen mit Mehrfach-Problemen können besser beraten werden, auch die Hürden für Ratsuchende sinken.

Das wissen auch die Partner der Diakonie zu schätzen. "Ich konnte heute gleich mehrere Fälle besprechen", sagt Michael Renner, der Leiter der Barmer-Geschäftsstelle in Saalfeld, der eigentlich nur zum Gratulieren gekommen war. Und Theresia Gattermann, Sozialarbeiterin im Wohnungslosenhaus der Caritas, hebt die gute Ökumene hervor: "Ich konnte schon oft auf euch zurückgreifen."

75 Mitarbeiter und 40 Ehrenamtliche sorgen unter der Hausfarbe Blau der Diakonie dafür, dass im Grau der Sorgen vieler Ratsuchender wieder Farbe und Licht aufscheinen. Mehr als zwei Millionen Euro investierte die Diakoniestiftung gemeinsam mit dem Land Thüringen in der Brudergasse. "Ein Etappenziel" sei mit dem abgeschlossenen Bezug geschafft, sagt Dr. Klaus Scholtissek, der Vorsitzende der Geschäftsführung. Nun müsse sich das Zusammenwachsen der Beratungsangebote bewähren.

Die Brudergasse in Gasse der Diakonie umzubenennen, geht Bürgermeister Matthias Graul denn aber doch zu weit, auch wenn er sich freut, dass das ­diakonische Anliegen der namensgebenden Franziskanerbrüder nun in dieser Vielfalt weitergeführt wird.

Text: Sabine Bujack-Biedermann / 12.10.13 / OTZ
Fotos: Sandra Smailes