Kunst, Kultur und Inklusion im Gartendenkmal vereint

Heute vor genau 20 Jahren übernahm die Diakonie das Landgut Holzdorf. Zu einem symbolischen Preis von einer D-Mark, aber mit einem Sanierungsaufwand von rund 25 Millionen. Das unterstrich Bettina Schmidt, Geschäftsführerin der Landgut Holzdorf gGmbH, am Freitag beim Besuch von Ministerpräsident Bodo Ramelow. Sie und ihr Team zeigten dem Thüringer Regierungschef bei einem Rundgang durch Herrenhaus, Gemäldesammlung mit 20 Repliken der einst von Otto Krebs aufgebauten erlesenen Kunstsammlung, Werkstätten und Landschaftspark, wie dieses Bau-, Park- und Kulturdenkmal vor den Toren Weimars seitdem in die Zukunft geführt wird. Dazu gehört auch die erfolgreiche Bewerbung als Außenstandort der Bundesgartenschau 2021. Beeindruckt zeigte Bodo Ramelow sich von dem Konzept, das Landschaftspflege, Kunst und Kultur mit gelebter Inklusion verbindet und das Landgut zum ersten alternativen Anbieter Mitteldeutschlands für den Berufsbildungsbereich nach neuem Bundesteilhabegesetz macht.

„Wir bringen Denkmalschutz mit Gastfreundlichkeit, Naturschutz mit Angeboten für die ganze Familie in Einklang und geben Menschen mit Behinderung die Möglichkeit, sich mit ihren Fähigkeiten einzubringen“, betonte Bettina Schmidt. Das Landgut Holzdorf sei Bildungsstandort, stehe für gelebte Inklusion (inclusio Weimar gGmbH), beherberge Werkstätten für behinderte Menschen und den Evangelischen Waldkindergarten. Damit umriss Superintendent Henrich Herbst die Vielfalt und den Anspruch, der Holzdorf weit über andere Außenstandorte der Buga hinaushebe. Aber auch die Herausforderung und Verpflichtung, welche mit diesem Standort einhergehen.

Ziel sei, die Infrastruktur zur zeitgemäßen touristischen Nutzung mit dem vorhandenen Kulturgut und der Ökologie zu entwickeln. „An dieser Stelle brauchen wir mehr Türöffner“, hofft auch Bettina Schmidt auf Unterstützung. Denn eines steht für sie fest: „Die Diakonie Landgut Holzdorf kann ohne den Park, aber der Park kann nicht ohne die Diakonie Landgut Holzdorf.“
Für Bettina Schmidt ist „Holzdorf eine echte Oase“. Sie verwies auch auf die bestehende Infrastruktur – so auf die Zuganbindung im Stundentakt.

Ein solches kulturelles Erbe, eine solch herausragende Liegenschaft – das sei schon etwas Besonderes, erkannte der Ministerpräsident. Im ersten Anlauf abgelehnt wurde jedoch ein Antrag auf Fördermittel in Höhe von rund 500.000 Euro für die Pflege von Pflanzengruppen, die Wiederherstellung von kleineren Bauwerken, vor allem für die Instandsetzung von Parkwegen und die Anlage eines barrierefreien Rundweges. Thomas Bleicher, Vorsitzender der Grünen Wahlverwandtschaften, legte dem Ministerpräsidenten das Anliegen noch einmal ans Herz und zeigte historische Fotos vom Park und seinen Besonderheiten. Einst hatten im Park Plastiken von Rodin, Lehmbruck und Meunier ihren festen Platz. Angelegt wurde das rund elf Hektar große Areal in den 1920er-Jahren vom früheren Besitzer Otto Krebs (1873-1941), Fabrikant aus Mannheim, im Stil französischer Gärten. Ein zweiter Antrag soll jetzt auf den Weg gebracht werden. „Holzdorf ist ein echter Satellit für das Weimarer Quartier der Moderne“, unterstrich Ulrike Köppel, Geschäftsführerin der Weimar GmbH.

Das Landgut passe ihrer Meinung nach genau ins Tourismus-Konzept, das auf Kultur und Natur setzt. Ulrike Köppel verwies auf die sich im Bauhausjahr erfreulich entwickelnden Übernachtungszahlen: So verzeichnet die Stadt Weimar von Januar bis April dieses Jahres 219.576 Übernachtungen. Das ist im Vergleich zum Vorjahr eine Steigerung um 15 Prozent. Sehr erfreulich sei, dass von Januar bis April 26,6 Prozent mehr Übernachtungen aus dem Ausland gezählt wurden. Diese Zuwächse sind besonders bemerkenswert vor dem Hintergrund, dass das Bauhaus-Museum und das Neue Museum erst im April geöffnet hatten.

Noch steht „das Gartendenkmal Landschaftspark Holzdorf ein bisschen außerhalb des touristischen Fokus“, bedauert Thomas Bleicher. Das aber soll sich mit der Bundesgartenschau 2021 ändern.

Text: Christiane Weber / TLZ, Bild Maik Schuck