Pflegeprämie, Heimkosten, Image des Pflegeberufes

Fast zwei Stunden hatten sich Albert Weiler, Mitglied des deutschen Bundestages, und Christian Herrgott, Mitglied des Thüringer Landtages, (beide CDU) am Mittwoch Zeit genommen, um das Seniorenzentrum Emmaus in Ebersdorf zu besuchen. Die Herren hatten sich angekündigt, um im Haus über aktuelle Themen der Altenpflege zu sprechen. Etwa 350 Mund-Nasen-Masken, zum Teil neuartige Produkte aus Taiwan, haben sie als Geschenk mitgebracht.
Empfangen wurden die Gäste von Dr. Klaus Scholtissek, Vorsitzender der Geschäftsführung der Diakoniestiftung, Anja Küfner, Leiterin des Seniorenzentrums, und Jan Brocksieper, Leiter der Diakonie Sozialstation Bad Lobenstein, mit Sitz in Ebersdorf.
Schon in der Vorstellungsrunde ergab sich eine lebhafte Diskussion. Die Pflegeprämie, Schutzmaßnahmen vor Corona-Infektionen, Bezahlung und Ansehen der Pflegekräfte, fehlende Auszubildende, der immer weiter steigende Eigenbeitrag der Heimkosten, die Rolle der freien Träger im sozialen System, selbst die Situationen in Schulen und die Einstellung zu einer betrieblichen Ausbildung fanden Gehör.
Anja Küfner berichtete, dass das Haus mit derzeit 62 Bewohnern, 35 Wohnungen im betreuten Wohnen und 40 Plätzen im Haus Elisabeth bisher Coronafrei sei, man überaus dankbar ist und weiterhin alle noch geltenden Schutzmaßnahmen einhält. Doch sie bat, ein Altenheim nicht mit einem Krankenhaus zu vergleichen. „Dort sind die Menschen in einem Akutzustand und bleiben nur einige Tage. Bei uns leben die Menschen, hier ist ihr  Zuhause. Wir bitten diese Unterschiede zu berücksichtigen, bevor Maßnahmen festgelegt werden“, gab sie den Politikern mit.   

Die Kontaktbeschränkungen gingen allen an die Nieren, Bewohnern, Mitarbeitenden und Angehörigen. Dazu kamen die sich mit dem Verlauf der Pandemie ständig wandelnden  Auflagen, die kurzfristig umgesetzt werden mussten, und allen Berufsgruppen, egal ob Pflege, Sozialer Dienst, Verwaltung, Reinigung, Küche und Technischen Dienst, viel Arbeit und auch Kreativität abverlangt haben. Die „Coronaprämie“ begrüßt Anja Küfner, hätte sich jedoch gewünscht, dass alle Mitarbeiter für ihre geleistete Arbeit diese Anerkennung erhalten und nicht nur bestimmte Berufsgruppen. Außerdem darf es nicht mit dieser einmaligen Zuwendung abgetan sein. Es bleibt noch viel zu tun.
Das war Anlass über die Situation der Auszubildenden zu sprechen. Im Emmaus haben sich vier Azubis gefunden, in der Sozialstation beginnt eine Umschülerin die Lehre. In anderen Häusern, die Diakoniestiftung unterhält acht in Thüringen, sehe das ganz anders aus. „Der Beruf wird schlecht geredet, die Menschen leisten so viel, haben eine solide Ausbildung und verdienen zunehmend auch gutes Geld. Wir müssen all die guten Dinge deutlicher nennen“, sagte Christian Herrgott und bat alle Beteiligten daran intensiv mitzuwirken.
Auch den weiter steigenden Eigenanteil der Heimkosten sprach Anja Küfner an: „Es stehen Pflegesatzverhandlungen an. Wir brauchen eine Deckelung der Kosten. Die Bewohner oder deren Angehörigen können ihre Plätze nicht mehr finanzieren, da brauchen wir dringend Unterstützung von der Politik.“ Albert Weiler bestätigte, dass das Thema der Finanzierung das derzeit größte sei und ist nach wie vor dabei, nach neuen Lösungen zu suchen, so dass den Menschen im Osten zahlbare Beiträge zugemutet werden. Die Diskussion hätte so noch weitergehen können, doch weitere Termine standen an.  Klaus Scholtissek zeigte sich überaus froh, über den regen Austausch. Beide Seiten haben Anregungen für ihre Arbeit erhalten.     


Bild (von Sandra Smailes): Anja Küfner (v.l.), Einrichtungsleiterin Emmaus, Klaus Scholtissek, Vorsitzender der Geschäftsführung der Diakoniestiftung, Albert Weiler (MdB), Jan Brocksieper, Leiter der Sozialstation und Christian Herrgott (MdL) vor dem Seniorenzentrum Emmaus.