Töpferei begeistert

Florian Distelkamp arbeitet an einem Großauftrag. Er erzählt, dass 3500 Glocken gemacht werden müssen. Einem anderen Gast sagte er, es seien 350 und später sind es mal 53 Glocken. Das scheint zwar verwunderlich, ist aber bei der Klasse seiner Arbeit vollkommen egal. Der 29-Jährige ist einer von 16 Beschäftigen der Töpferei in Altengesees, einem von 16 Arbeitsbereichen der Werkstätten Christopherushof, die seit 2009 zur Diakoniestiftung Weimar Bad Lobenstein gehören.
Etwa genauso lange beteiligt sich die Werkstatt nun am bundesweit stattfinden Tag der offenen Töpferei. Seit dem kommen am Töpferwochenende im März dutzende Besucher nach Altengesees, um den Kunsthandwerkern über die Schulter zu schauen. Es wird modelliert, geknetet und geformt. Florian arbeitet an der Töpferscheibe. Er dreht eine Glocke nach der anderen, erklärt während der Arbeit was er tut, zeigt verschiedene Muster und bleibt auch ganz gelassen, wenn mal ein Stück zu misslingen droht. Fast alle Glocken werden beim ersten Versuch fertig und die Besucher staunen - solch rationale Arbeit erwartet niemand in einer Werkstatt für Menschen mit Behinderung. „Mir gefällt es sehr gut, dass so viele Leute hier sind und sich für meine Arbeit interessieren“, sagt Florian. Matthias Vostatek modelliert einen Osterhasen, als Vorlage dient ein Bild aus einem Kunstkatalog. Zu seinen Stärken gehören zweifelsfrei Frösche, aber er kann auch Jahreszeiten gerechte Figuren sehr gut anfertigen. Lukas stellt einen Blumentopf mit Füßen und Untersetzer her. Ramona macht Kugeln für Blumenampeln.
Während all dieser Arbeit laufen am Samstagnachmittag sehr viel Besucher durch die Werkstatt. Vor allem Frauen, darunter viele junge Frauen mit ihren Kindern sind da. Und alle wollen auch selbst probieren mit Ton zu arbeiten. Töpferlehrling Saskia hilft allen geduldig. Auf Tischen, Werkbänken und Regalen sind Waren zum Verkauf aufgebaut. Grün, Blau, Braun, richtig bunt – sämtliche Farben und Formen finden sich und viele Besucher kaufen. Vor der Werkstatt stehen Pflanzgefäße in den schönsten Farben und Formen. Da wird selbst so mancher Mann schwach.
Töpfermeister Mario Lang, der den Arbeitsbereich mit einer Gesellin, zwei Lehrlingen und den 16 Beschäftigten leitet, beatwortet Fragen, erklärt, und verkauft viele Waren. Die Besucher kommen aus Saaldorf, Oßla, Rodacherbrunn, sogar aus Kamsdorf und dem Landkreis Greiz. Ihnen stehen auch Kuchen und Brot aus der Christo-Bäckerei zum Verzehr bereit und als man erfährt, dass es im Ort mit Kathrin Rosemann gleich noch ein Angebot zum Tag der offenen Tür gibt, erfreut das viele. In solch kleinem Ort zwei Töpfereien das war einen Besuch wert.


Text / Bilder: Sandra Smailes