Zukunftsfähige Lösungen entwickeln

Zukunftsfähige Lösungen entwickeln – 300 Gäste waren dabei


„Auf die schwierige Gesetzeslage der freien Schulen und auf alle anderen Herausforderungen im sozialen Bereich reagieren wir nicht mit Protest, sondern mit Taten“, mit diesen Worten begrüßte Dr. Klaus Scholtissek, der Vorsitzende der Geschäftsführung der Diakoniestiftung Weimar Bad Lobenstein gGmbH am Mittwoch die Teilnehmer des 2. Sozialpolitischen Kongresses in Weimar. Mehr als 300 Akteure und Gäste aus Kirche, Politik, Verwaltung, Wirtschaft und freien Trägern waren gekommen. Ziel war es, gemeinsam aktuelle, sozialpolitische Themen zu diskutieren, um zukunftsfähige Lösungen zu entwickeln.

Dass diese Arbeit manchmal entmutigend sein kann, ist jedem aktiv Beteiligten bekannt. Johannes Warth, der sich Ermutiger nennt, gestaltete einen mitreißend positiven Einstieg in den Kongresstag.

Wie lässt sich schwachen, hilfebedürftigen Menschen in der Gesellschaft noch besser helfen und wie kann Erreichtes erhalten oder noch ausgebaut werden. Das sprach Helmut Schmidt, der Vorstandsvorsitzende der Kreissparkasse Saale-Orla und Aufsichtsratsvorsitzende der Diakoniestiftung in seiner Rede an. „Das Privatvermögen der Bundesbürger ist so hoch wie nie in der deutschen Geschichte, aber es wird nur verhältnismäßig wenig geholfen. Wenn ich an die Aufgaben der Zukunft denke, werde ich unruhig. Wir benötigen gute Lösungen für diese Aufgaben, um diese zu finden haben wir im vergangnen Jahr den ersten Kongress veranstaltet. Schon 2010 konnten wir danach einiges anstoßen. Danke, dass sie wieder gekommen sind“, sagte Helmut Schmidt.

Peter Stephan, Präsident des Thüringer Landesverwaltungsamtes, äußerte sich direkt zum Kern der Veranstaltung. Ihm als Lehrer liegen das Schulthema am Herzen und das aktuelle Schulgesetz schwer im Magen. „Schüler brauchen Hingabe und Fürsorge, Normen und Leistungsdruck, aber auch Familie, Betreuer und Lehrer. Menschen mit Behinderung brauchen all das und noch vieles mehr. Der Systemwandel in der Schulpolitik bereitet mir große Sorge, vor allem für die Hilfebedürftigen. Ich bin Physiklehrer und mag Experimente, aber nicht mit behinderten Menschen. Sie sind nicht dafür geeignet “, sagte Stephan und erntete dafür großen Beifall.

Mit großer Freude begrüßte Stefan Wolf, Weimars Oberbürgermeister die Kongressteilnehmer. Zum zweiten Mal hat er die Schirmherrschaft übernommen und freute sich, dass in der Stadt mit den meisten Kindern Lösungen für sozial schwache Mitmenschen gesucht werden.

Das Thema der Schulen in Freier Trägerschaft und die Schwierigkeiten der Finanzierung dieser Schulen ist für die Diakoniestiftung, wie für viele andere Kongressteilnehmer aktuell und wird weiter diskutiert. So auch zum Kongress. Mit Prof. Dr. Monika Vernooij (Lehrstuhl für Sonderpädagogik, Institut für Sonderpädagogik der Universität Würzburg), konnte eine bemerkenswerte Wissenschaftlerin auf diesem Gebiet als Rednerin gewonnen werden. In ihrem Referat schaffte sie es, Begrifflichkeiten zu klären, aber auch zur Förderschulpolitik in verschiedenen Ländern der EU und den anderen Bundesländern zu informieren. Drei von ihr erarbeitete Konzepte für eine mögliche Förderschullandschaft in Thüringen wurden dabei vorgestellt. Prof. Dr.Vernooij kam zu dem Schluss, dass eine Bildungslandschaft ohne Förderschulen nicht auskommen wird. Die größte Gefahr bestehe darin, dass die Freien Träger irgendwann solche Schulen betreiben, die wirklich nur noch für den nicht integrierbaren Rest vorgehalten werden. Deshalb appellierte Sie an die Thüringer Landesregierung Ideologie und Realität wieder in ein Gleichgewicht zu bringen, um nicht an den tatsächlichen Gegebenheiten vorbei zu planen und zu entscheiden.


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Text / Fotos: Sandra Smailes