Zum ersten Mal Abschlusszeugnisse vergeben

„Wir haben es zusammen gewagt und haben es zusammen geschafft“, sagt Anett Richter, Leiterin der Freien Montessori-Gemeinschaftsschule Bad Lobenstein, am Samstag. Zum ersten Mal wurde an dem Tag eine zehnte Klasse aus dieser Schule verabschiedet. Die vier Schülerinnen und zwölf Schüler haben ihre Zeugnisse im Ebersdorfer Bürgerhaus erhalten, genau dort, wo sie vor sechs Jahren als erste fünfte Klasse begrüßt wurden.
Mit diesen jungen Menschen hat die Schule ihre Geschichte weitergeschrieben: 1990 als Schule für geistig behinderte Kinder in Gefell gegründet, wurde diese 2002 um die freie Montessori- orientierte Grundschule. Zwei Schulen unter einem Dach lautet seitdem das Motto für Michaelisschule und Montessori-orientierte Grundschule. Das gemeinsame Lernen von Kindern mit und ohne Förderbedarf war in Bad Lobenstein ein Pilotprojekt und wurde zum Erfolgsmodell. Das einzige Manko, die Mädchen und Jungen mit geregelter Schullaufbahn mussten die Bildungseinrichtung nach der vierten Klasse verlassen, um in einer staatlichen Schule weiterlernen zu können.
Schüler, Eltern und Lehrer wünschten sich bald, dass bis zum Ende der Schullaufbahn zusammen gelernt werden kann. Der Träger, das Michaelisstift Gefell, nahm diese Herausforderung an und erreichte die Änderung der Schulform. Ein Prozess, der sich über Jahre hinzog. „Wir hatten unzählige Konzepte zu schreiben, waren mehreren Prüfungen ausgesetzt, die Lehrkräfte mussten gefunden,  die Finanzierung geklärt werden“, blickt Schulleiterin Anett Richter auf diese nervenaufreibende Zeit zurück. Ein Marathon liegt hinter der Einrichtung und dem Träger.
Dr. Klaus Scholtissek, der Vorstandsvorsitzende des Michaelisstiftes war am Samstag nach Ebersdorf gekommen. Ihm war die Freude über diese Abschlussklasse deutlich anzumerken. Er gab den jungen Menschen den Wunsch nach guten Freunden mit auf den Weg. Freunde, die einen so gut kennen, dass sie auch den Weg weisen können, wenn man ihn selbst nicht mehr weiß. Der Gratulation und den Wünsche für eine erfolgreiche Zukunft schloss er ein herzliches Dankeschön an alle Lehrkräfte,  Mitarbeitende und Eltern für deren Einsatz und Vertrauen an.
Gedankt wurde auch von Elternsprecherin Ivonne Hoffmann. Sie blickte aus Elternsicht zurück und überreichte im Namen aller drei Fahrradständer an die Schule und eine Spende an den Schulförderverein. Klassensprecher Lex Meyer fand erfrischende Worte und zeigte einen Vidoeclip mit Bildern von unzähligen Erlebnissen, wie Exkursionen, Umwelt- und Medienprojekten, der Zirkuserfahrung und der Amerikareise, um damit im Namen seiner Klassenkameraden zu danken.
Wie oft für jeden Schüler eine Einschätzung erfolgt, so baten die Montessori-Schüler ihre Lehrer nach vorn und gaben beste Noten, erfrischende Einschätzungen zur Lehrtätigkeit und persönlichen Neigungen. Rührend wurde es, als die Lehrer für die Schüler ein Lied anstimmten, ein Segen gesprochen wurde und alle unter einem großen regenbogenfarbenen Tuch zusammen kamen – die Farben der Schule, das Symbol für Verbundenheit.
Jeder Schüler erhielt einen Schirm in Regenborgenfarben und sein Abschlusszeugnis, 15 Mal für die Realschule, eines für die Hauptschule. Das wurde von Schulleiterin Anett Richter und Klassenleiterin Antje Stumpf überreicht.  
Die beste Schülerin ist Theresa Kallenbach aus Gefell mit einem Notendurchschnitt von 1,2. Sie wechselt mit Julian Hoffman an das staatliche Gymnasium Schleiz. Ein weiterer Schüler geht an das staatliche Gymnasium Bad Lobenstein,  um dort das Abitur abzulegen. Klassensprecher Lex Meyer beginnt eine Lehre bei der Kreissparkasse Saale-Orla. Drei Schüler werden am Wirtschaftsgymnasium in Rudolstadt weiter lernen. Andere Schüler beginnen eine Malerlehre, werden Egotherapeutin, Papiertechniker, Einzelhandelskaufmann, Bürokaufmann und Chemielaborant.
Vor dem endgültigen Abschied hat am Abend eine Abschlussparty, gemeinsam mit den Schulabgängern des Förderschulteils, ebenfalls im Ebersdorfer  Bürgerhaus stattgefunden – zwar unter Corona-Schutz-Regeln aber mit Musik der Schulband. So fand eine lange gemeinsame Schulzeit ihren würdigen Abschluss.