Zwei 80. Geburtstage gefeiert

Schokolade und Wein, Blumen, Musik und viele Gäste: Ehrenfried Heidenreich aus Bad Lobenstein und Heinz Sommer aus Altengesees haben kurz nacheinander den 80. Geburtstag gefeiert. Beide sind Urgesteine der Wohnstätten des Christopherushofes (mittlerweile der Diakoniestiftung Weimar Bad Lobenstein) und beide verbringen den Rentneralltag in der Tagesstätte für alt gewordene Menschen mit Behinderung in der Bad Lobensteiner Karl-Marx-Straße.
Dass Menschen mit einer geistigen Behinderung ihren 80. Geburtstag feiern können, ist aufgrund ihrer Geburt in der Zeit des Nationalsozialismus und durch gesundheitliche Risiken ein besonderer Grund zum Feiern. Diesen Anlass haben die Betreuer und Mitbewohner in der Wohnstätte am Kießling genutzt. Einige Mitbewohner hatten den Tag frei genommen, sind nicht zur Arbeit in die Werkstatt gefahren, um mit Ehrenfried zu feiern.
Für ihn war ein großartiges Frühstück vorbereitet, neben sämtlichen Mitarbeitenden kamen seine Betreuerin Margot Heinßmann, der stellvertretende Bürgermeister Bad Lobensteins, Klaus Möller, und Werkstattmitarbeiter Thomas Schmidt für ein Ständchen bereits am Vormittag vorbei.
Ehrenfried, der an jedem Tag eine Krawatte trägt, hat auch zum Geburtstag eine bekommen. Außerdem standen Wein, zwei Flaschen Bier, Schokolade, viele Blumen, eine Kaffeetasse, Malbücher,  und das Heimatjahrbuch 2019 auf dem Geburtstagstisch.
Die Gäste erlebten einen überaus zufriedenen, gerührten, alten Menschen.
Ehrenfried wurde 1939 in Schkölen mit einer geistigen Behinderung geboren, arbeitete auf dem Hof der Familie in Frauenprießnitz in der Landwirtschaft und kam als junger Mann nach Ebersdorf. Dort lebte er viele Jahre im Schloss, das als Pflegeheim genutzt wurde.
„Noch heute ist er gern dort, zu seinem 75. Geburtstag waren wir sogar im Schloss. Das hat ihm sehr gut gefallen. Da wurden Erinnerungen wach“, erzählt Oliver Franke, der einige Jahre als Betreuer in der Wohnstätte gearbeitet hat und die Biografie von Ehrenfried Heidenreich sehr gut kennt. Er war mit ihm in seiner Heimat, hat das Elternhaus besucht und umhergefragt, ob sich dort jemand an Ehrenfried erinnern kann. „Wir wüssten gern, wo er Akkordeon spielen gelernt hat, warum er immer eine Krawatte trägt und woran sein Vater gestorben ist, denn davon redet er immer wieder“, erzählt Franke.  Ehrenfried, der seit der Eröffnung 2001 in der Wohnstatte am Kießling lebt, hat keinen Kontakt zu Verwandten. Doch viele der 35 Mitbewohner, die Betreuer und Hausleiterin Christin Bastian sind wie eine Familie. Sie hatten ihm den schönen Geburtstag vorbereit. Die Kutschfahrt am Nachmittag und der kleine Empfang zur Kaffeezeit wurden vom Kulturgeld der Einrichtung bezahlt.
Die Freude war groß, als auch Heinz Sommer, der zweite 80-Jährige zum Gratulieren kam. Er hat bereits am 28. Mai seinen runden Geburtstag gefeiert, lebt in der Wohnstätte Werner-Stäbler-Haus in Altengesees und verbringt wie Ehrenfried den Alltag in der Tagesstätte. „Heinz Sommer wird in Altengesees Paule genannt. Er ist dort nicht irgendein Bewohner, er ist der älteste und lebt am längsten dort. 1953 kam er aus der Psychiatrie in Mühlhausen nach Altengesees“, erzählt Oliver Franke. Paule hat in der Landwirtschaft und später in den Werkstätten Christopherushof gearbeitet. Mit dem 65. Lebensjahr scheiden Beschäftigte dort aus und werden von da an in der Tagesstätte betreut, damit sie am Tag nicht allein im Wohnhaus bleiben müssen.
Paule ist in Berlin geboren und erzählt im Alter wieder öfter von seiner Kindheit und Erlebnissen in Kriegstagen. „Leider hat auch er keinen Kontakt zu Verwandten. Wir haben seinen Geburtstag in der Wohngruppe in Altengesees gefeiert. Es hatte sich ein Fass Bier gewünscht. Die fünf Liter wurden mit  seinen Freunden geteilt, das ist sein Glück“, sagt Oliver Franke, denn Paule selbst ist nur schwer zu verstehen.

Text/Bilder: Sandra Smailes