Festvortrag von Rüdiger Schuch, Präsident Diakonie Deutschland
Verleihung des Herderförderpreises an Studierende der Bauhausuniversität für Ihre Kunstwerke „FAST PERFEKT“
Zum 15. Mal haben der Evangelisch-Lutherische Kirchenkreis Weimar, die Evangelisch-Lutherische Kirchengemeinde Weimar, die Diakoniestiftung Weimar Bad Lobenstein und das evangelische Sophien- und Hufeland Klinikum Weimar zum Empfang anlässlich des Geburtstages von Johann Gottfried Herder (25. August 1744 - 18. Dezember 1803) geladen.
Weimars Superintendent Henrich Herbst begrüßte viele hundert Gäste aus ganz Thüringen in der Stadtkirche Peter und Paul, die allüberall Herderkirche genannt wird. Nach eindringlichen Grußworten von Weimars Oberbürgermeister Peter Kleine und von Katja Wolf, der stellvertretenden Ministerpräsidentin, folgte die Festrede mit dem Titel: „Freiheit zur Verantwortung – der Sozialstaat, die Demokratie und die Bedeutung des Einzelnen“.
Pfarrer Rüdiger Schuch, Präsident der Diakonie Deutschland und Vorstandsvorsitzender des Evangelischen Werkes für Diakonie und Entwicklung, sprach über innere und äußere Sicherheit und die dritte Säule, die soziale Sicherheit. Wie bei einem dreibeinigen Stativ gilt auch hier: Wenn eine der drei Säulen ausfällt, gibt es keinen Halt mehr. Die Herausforderungen der inneren und äußeren Sicherheit dürfen nicht gegen den sozialen Zusammenhalt ausgespielt werden. Populistischen Verführungen werde in die Karten gespielt, wenn soziale Aufgaben nicht klug, solidarisch und wirksam gestaltet und gelöst werden. Dazu kann die freie Wohlfahrtspflege und eben auch die Diakonie wertvolle Beiträge leisten. Das Subsidiaritätsprinzip, das der jeweils kleineren Einheit den Vorrang gibt vor der übergeordneten Einheit, ist ein wesentlicher Kompass für eine moderne sozialstaatliche Ordnung. Dazu kommt das jüdisch-christliche Menschenbild, das sich aus der Gottebenbildlichkeit der Menschen ableitet und jeder Person gleiche Rechte und – nicht zu vergessen – gleiche Pflichten zuordnet. Dabei geht es – der Titel des Vortrags ist sehr bewusst gewählt – um „Freiheit zur Verantwortung“, um Haltung und Mut, um Standhalten gegen alle Versuche und Verführungen, Demokratie und menschliche Vielfalt offen oder schleichend abzuschaffen.
Mit langem Applaus wurde dem Festredner für seine Festrede gedankt.
Der Herder-Förderpreis wurde in diesem Jahr an Studierende der Bauhaus Universität Weimar für das Kunstprojekt „FAST PERFEKT“ verliehen. Die Studierenden haben ihre Kunstwerke im ersten Semester des Lehramtsstudiums Kunst unter der Leitung von Catalina Giraldo Vélez und Christian Andrés Parra Sánchez entwickelt und betonen mit ihren unterschiedlichen Installationen gegenläufig zu einem starken gesellschaftlichen Trend die Unvollkommenheit der Menschen, ihrer Körper, ihrer Ideen und Lebenswege. "FAST PERFEKT“ stellt zeitgenössische Perfektions-Narrative in Frage und macht diese sichtbar. Dabei bezieht sie sich auf das christliche Menschenbild, das um die Grenzen und Unvollkommenheiten der Menschen weiß.
„Dabei wurde Herders fundamentale Einsicht aufgegriffen, dass Vorstellungen von Vollkommenheit niemals universell sind. Seine visionäre Wertschätzung von Pluralität, Prozesshaftigkeit und permanenter Transformation als Grundkonstanten menschlicher Existenz erweist sich gerade angesichts der gegenwärtigen gesellschaftspolitischen Verwerfungen global sowie regional als äußerst aktuell“, erklärt M.A. Christian Andrés Parra Sánchez, Künstlerischer Mitarbeiter der Professur Kunst und ihre Didaktik an der Bauhaus-Universität Weimar. Die Schaffung von Räumen für die Erfahrung von Verschiedenheit und wechselseitiger Anerkennung hat für ihn „höchste Priorität“.
Die Laudatio auf die Studierenden hielt die Vizepräsidentin der Bauhausuniversität, Prof. Ulrike Kuch. Ausgewählte Exponate des Moduls „FAST PERFEKT“ konnten nach dem Festprogramm in der Kirche studiert und mit den Studierenden reflektiert werden.
>>> Zum Video über das Kunstprojekt: Fast perfekt
>>> Bilder vom Kunstprojekt: Fast perfekt
>>> Herderförderpreis - Rückblick auf die bisherigen Preisträger
Nach dem Festakt in der Kirche waren alle Gäste zum Geburtstagsbuffet geladen. Ein Team des Diakonie Landgut Holzdorf und des Café Samocca sorgten mit einem köstlichen Imbissangebot, erfrischenden Getränken und guten Weinen für eine festlich, fröhliche Stimmung auf dem Herderplatz. Viele Gäste nutzen die Gelegenheit für Gespräche und Begegnungen. Bei Musik und Lichtglanz klang der wundervolle Abend zum 281. Geburtstag von Johann Gottfried Herder aus.
Hintergrund:
Der deutsche Theologe, Dichter, Philosoph und Übersetzer Johann Gottfried Herder wurde am 25. August 1744 geboren. Von 1776 bis zu seinem Tod im Jahr 1803 wirkte er als Generalsuperintendent in Weimar. Die evangelische Stadtkirche St. Peter und Paul gilt als eine der bedeutendsten Kirchen Thüringens und wird im Volksmund als „Herderkirche“ bezeichnet. Hier befindet sich auch die letzte Ruhestätte Herders.
Text/Bilder: Sandra Smailes

























