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Von der Arbeitstherapie zum Handwerk

Die Werkstätten Christopherushof in Altengesees beteiligen sich seit Jahren am Tag der offenen Töpferei im März und bereiten sich intensiv auf das Wochenende vor. Der Aufwand hat sich gelohnt, die Erwartungen wurden erfüllt.
Gäste kommen aus nah und fern, um den Menschen mit Handicap bei der Arbeit zuzusehen, kleine Kunstwerke selbst zu gestalten und zu erleben, wie Geschirr an der Töpferscheibe entsteht. Das zeigt Christopher Reising aus Bad Lobenstein voller Stolz und mit viel Geduld. Er erklärt seine Arbeit und lässt Interessierte probieren. Lukas Scheithauer stellt Pflanzgefäße her, jedes ein Unikat. Matthias Vostatek modelliert zurzeit Osterhasen in verschiedenen Größen. In sein aktuelles Stück hat sich am Samstag eine Kundin auf den ersten Blick verliebt. Der Tonhase wird in den kommenden Tagen gebrannt und glasiert, damit dieser vor dem Fest abgeholt werden kann.

16 Beschäftigte, ein Töpfermeister und eine Gesellin gehören zum Team der Töpferei, einem von vielen Arbeitsbereichen. „Die Vielfalt der Angebote ist unsere Stärke in Altengesees. Jeder kann seinen Neigungen folgen“, sagt Bettina Schmidt. Die Vorsitzende der Geschäftsbereichsleitung Eingliederungshilfen der Diakoniestiftung Weimar Bad Lobenstein ist seit fast 40 Jahren in der Diakonie tätig.
Sie weiß noch gut, wie dieser florierende Bereich entstanden ist.
Bis Anfang der 80er Jahre waren die Bewohner fast ausschließlich in der Schalsteinproduktion beschäftigt. Das war schwere Arbeit und nicht für jeden Bewohner leistbar. Die Arbeit mit Ton wurde zur beliebten Alternative und entwickelte sich als ein wichtiges Element in der Arbeitstherapie. Mit Eindrückformen arbeiten, aus Ton Gefäße herzustellen und freies Formen machte den Menschen mit Behinderung viel Freude. Es entstanden schöne und praktische Keramikteile, die in der DDR sehr beliebt waren.

In den 90er Jahren änderte sich die Struktur der Werkstätten. Viele Einrichtungen wollten die Töpfereien nicht erweitern, doch Altengesees hat Wege gefunden, den Bereich als vollwertigen Arbeitsbereich der Werkstatt auszubauen. 
„Wir haben unsere Töpferei von der Arbeitstherapie zum Handwerk entwickelt. Als 1995 ein neues Werkstattgebäude eingeweiht wurde, konnte die Töpferei erweitert werden. Gleichzeitig haben wir einen Töpfermeister eingestellt, der Beschäftigte im selbstständigen kreativen Arbeiten mit Ton angelernt hat“, erklärt Bettina Schmidt die Anfänge der heutigen Töpferei. 
Ein weiterer großer Schritt sei gelungen, als 2002 Mario Lang eingestellt wurde. Der Töpfermeister aus Halle ist ein Mann, der sein Wissen weitergeben wollte. Somit werden Menschen mit Behinderung befähigt, selbstständig zu arbeiten. Jeder tut, was er am besten kann und lernt immer wieder dazu. 
Wie viel Freude alle an ihrer Arbeit haben, lässt sich beim Tag der offenen Tür sehen, spüren und das gute Gefühl, schöne Waren mit nach Hause zu nehmen.
Schmecken kann man das auch, in der Christo Bäckerei. Der Hofladen mit Café und großer Terrasse konnte nach Sanierungsarbeiten vom Übergangsquartier zurück in die 2019 eröffneten Räume ziehen und dort viele Gäste am Tag der offenen Töpferei zu Kaffeekreationen, bestem Gebäck und herzhaftem Imbiss begrüßen. Das ist immer einen Ausflug wert.

Töpferei der Werkstätten Christopherushof in Altengesees
Gruppenleiter/Töpfermeister Mario Lang
Altengesees 29, 07368 Remptendorf
Tel.: 036643 - 30-4235, Mail: Toepferei.Altengesees@diakonie-wl.de

Text/ Bilder: Sandra Smailes