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Wählen gehen - als Bürger und Christ

In wenigen Tagen wird  im Saale-Orla-Kreis ein neuer Landrat gewählt. "Eigentlich ist das ein normaler Vorgang der Kommunalpolitik, den wir wie sonst mit unserer Fürbitte und dem Aufruf: Wählt irgendwen, aber geht wählen, begleiten könnten und es dabei belassen. Diesmal ist es anders. Wem wir unsere Stimme geben, ist nicht gleichgültig, es hat Auswirkungen auf unser Zusammenleben und sicher auch auf unsere Möglichkeiten Kirche zu sein", mit diesem Worten hat Pfarrer Ingolf Scheibe-Winterberg aus Schleiz im Namen des Kirchenkreises zu einer Podiumsdiskussion mit den vier Landratskandidaten nach Plothen bei Schleiz eingeladen.
Dort gab es Gelegenheit, die vier Kandidaten Regina Butz, Christian Herrgott, Ralf Kalich und Uwe Thrum persönlich zu erleben und die eigene Wahlentscheidung zu bedenken. Das Podiumsgespräch wurde von Dr. Frank Hiddemann aus Gera moderiert. Er fragte nach der Motivation und Werten speziell aus christlicher Sicht. Mehr als 200 Menschen waren der Einladung gefolgt. In der Ostthüringer Zeitung wird am 11. Januar 2024 berichtet: 

Landratswahl im Saale-Orla-Kreis: Wie viele Wahlmöglichkeiten haben Gläubige?
von Stephanie Rössel

Es war eine politische Veranstaltung der besonderen Art, mit kurzer Predigt und dem Vaterunser. Mehr als 200 Menschen kamen in die Plothenbachhalle. Weit mehr als auf jedem bisherigen Forum vor der Landratswahl am kommenden Sonntag. Auch lag keine große Anspannung in der Luft. Die Begrüßungen waren freundlich. Die Stühle standen eng beieinander, trotz unterschiedlicher Ansichten und Meinungen. Ob es die Kälte draußen war, die etwas lähmte, oder der Einfluss der Kirche für ein friedliches Miteinander, bleibt Auslegungssache.

Unterschiedliche Wahlmöglichkeiten als Bürger und Christ
„Dass sich die Kirche in die Politik einmischt, ist nicht üblich und wird aktuell auch kritisiert. Doch ich fand es wichtig zu wissen, wie die Kandidierenden zur Kirche stehen. In meinem Gottesdienst am Sonntag werde ich Menschlichkeit und Verantwortung predigen und danach selbst zur Wahlurne gehen. Als Bürger hat man vier Möglichkeiten am 14. Januar. Als Christ nur drei“, sagte der Schleizer Pfarrer Ingolf Scheibe-Winterberg am Dienstagabend in Plothen. Unter dem Motto „Wählen gehen – als Bürger und Christ“ hatte er das Podium organisiert, bei dem Werte und Haltungen im Vordergrund stehen sollten.

Die Moderation übernahm der Geraer Pfarrer Frank Hiddemann, der sich bereits in anderen Formaten mit der AfD, den Querdenkern und Spaziergängern auseinandersetzte. Mit jeweils biblischem Bezug stellte er die Fragen, die entlocken sollten, was für Regina Butz (parteilos), Christian Herrgott (CDU), Ralf Kalich (Linke) und Uwe Thrum (AfD) beispielsweise Heimat bedeutet, mit welcher Haltung sie ihre Arbeit erledigen wollen oder welche Ideen sie für eine wachsende Gemeinschaft haben? Auch aus dem Publikum kamen Fragen, die auf den Nägeln brannten. Wie stehen Sie zur Linkenmühlenbrücke? Was planen Sie für Nachwuchs und Landwirtschaft? Wie stehen Sie zur Klimapolitik und Bauernprotesten? Aber auch die berechtigte Frage „Warum kandidieren Sie“ fiel. Gleich mehrfach richtete sich jedoch eine Frage an den Kandidaten der AfD. „Wie werden Sie in Zukunft Menschen vor ihren eigenen Parteigenossen schützen, die eine andere Meinung haben? Wollen Sie uns überhaupt schützen?“, fragten sich Anwesende und lehnten diese Frage an die Ereignisse vom vergangenen Samstag in Schleiz an.

Glaube sei ihr Halt

Regina Butz, die parteilos ist, aber von der SPD im Wahlkampf unterstützt wird, sieht den Glauben als ihren Halt. Ihr Großvater war Pfarrer und Werte wie Glaube, Liebe und Hoffnung werden in ihrer Familie großgeschrieben. Unter Heimat verstehe sie den Ort, wo sie sich geborgen fühle, wo die Familie und das Zuhause ist. Als Landrätin möchte sie gute Gespräche führen und wünscht sich authentische Menschen. Als Christin wisse sie, dass Menschen sehr individuell geschaffen seien. Das sehe sie als großes Glück und als Chance, die verschiedenen Kompetenzen zu verbinden. Ihre Parteilosigkeit sehe sie dabei als gute Voraussetzung, alle an einen Tisch zu bekommen.

Heimat sei ein Lebensgefühl

Der Kandidat der Partei Die Linke, Ralf Kalich, betont ausdrücklich, dass er Atheist sei und das begründe, dass man allen Dingen frei gegenüber stehe. „Haltungsmäßig“ sehe er optimistisch in die Zukunft, lebe sehr gerne im Saale-Orla-Kreis und sei stolz auf seine Heimat, die dort sei, wo die Familie wohnt und mehr Lebensgefühl als Ort bedeute. Als positiv sehe er, dass bereits im Wahlkampf unterschiedliche Menschen zusammengerückt seien. Nur gemeinsam könne man Ziele erreichen.

Bürgernahe Verwaltung als Ziel

Christian Herrgott beruft sich ebenfalls auf seinen christlichen Glauben, betont aber, dass man Menschen nur mitnehmen könne, wenn man in den eigenen Zielen gefestigt ist. Haltung haben und Haltung zeigen seien ihm schon aus Zeiten der Bundeswehr mitgegeben, in denen er eine Kompanie führte. Heimat sei für ihn dort, wo das Herz ist und die Familie. Bürgernahe Verwaltung unterstreicht er immer wieder und wolle für realistische, umsetzbare Ziele als Landrat einstehen.

Im Land müsse es rund laufen

Der Zuspruch des Volkes und die Zahl der Wählenden seien der Halt für Uwe Thrum. Der AfDler sieht Heimat als nichts Beliebiges, sondern etwas, das es nur einmal gibt. Er möchte als Landrat ein Auge auf Schulen und Bildung legen. Beschwert sich über Hass und Hetze gegen Anträge, die von der CDU geklaut und für gut befunden worden seien. Im Land müsse es wieder rund laufen und ausgrenzen werde er niemanden. Schutz und Sicherheit sollen für alle Bürgerinnen und Bürger gleichermaßen gelten.

Gemeinsames Singen war der Abschluss. Der größte Teil des Publikums sei nach der zweistündigen Veranstaltung in seinem Vorhaben, wo das Kreuz gesetzt wird, bestätigt worden. Einige Anwesende kamen doch ins Grübeln. Für Einzelne habe so manche Ausführung nochmal einen Denkanstoß gegeben. Darüber könne man jetzt bis Sonntag noch ein paar Nächte schlafen, hieß es.
>>>Zum pdf-Beitrag, OTZ, 11. Januar 2024